Kultur




Einhörner, Prinzessinnen und… Bücher!

Ein Bücherwurm auf der Buchmesse Frankfurt 2018

Frankfurt - Auf dem Weg zur Messe fallen die vielen fantasievoll kostümierten Menschen auf. „Ist hier vielleicht noch eine zweite Messe?“ – fragt sich der Bildungsbürger mittleren Alters. Weit gefehlt! Es ist tatsächlich die Buchmesse 2018 und sie wird bevölkert von allerlei Phantasiegestalten, die man über das gesamte Messegelände flanieren sieht (Die aufwändigen Kostüme müssen schließlich vorgeführt werden!)

In hoher Konzentration findet man sie jedoch in der eigens für sie ausgewiesenen „Cosplay-Area“, aber auch im Außenbereich bei bestem Wetter allenthalben. Schnell blickt der leicht ergraute Bücherfreund in sein Googlegerät und erfährt sogleich: „Cosplay = das Sichverkleiden als eine Figur aus einem Manga o. Ä., häufig als Wettbewerb um die beste Darstellung“. Was ein Manga ist, weiß der Gebildete natürlich. Es handelt sich hierbei um meist japanische Comicwerke mit erheblichem Kultstatus. 

In der Cosplay-Area gibt es außer – natürlich! – Mangas auch sämtliches Zubehör, das man für sein Hobby so braucht: Haare, Holzwaffen, aufwändige Kleider und viel geheimnisvollen Krimskrams mit asiatischen Schriftzeichen auf der Verpackung für Eingeweihte.

Bei der Menge an knallbunten Prinzessinnen mit langen blauen Perücken und puppenäugigen Kontaktlinsen und finster blickenden Gestalten in Fantasieuniformen mit martialisch aussehenden Plastikschwertern fühlt sich der Bildungsbürger auf einmal sehr alt und unverstanden.

Doch Erleichterung macht sich breit: die Buchmesse gibt es auch noch in traditionell: in den anderen Messehallen! Viele analoge Druckwerke zu sehen und anzufassen, papierne Seiten, die noch ohne Kabel per Hand umzublättern sind: was für eine taktile Freude! Bücher, die man mit ins Bett, in die Badewanne (Vorsicht, wenn das Buch nicht das Eigene ist!), an den Strand, ins Baumhaus, in Bus und Bahn … - die Möglichkeiten sind ja schier unerschöpflich- nehmen kann!

So wandelt der Bücherfreund und nebenbei sieht er mehr oder weniger Prominente: erkannt wird ohne Probleme Klaus Kleber, der bei Arte von seinen Reisen berichtet, aber (man sieht ja fern) auch Deniz Yücel und Can Dündar, die am Stand der Bundesregierung über die Pressefreiheit in der Türkei diskutieren. Ärgerlich nur, dass hier, wer keinen Kopfhörer mit Übersetzerfunktion ergattert hat und kein Türkisch kann, die sicher aufschlussreichen Ausführungen von Can Dündar nicht versteht. Immerhin erfreulich, dass es so viele Menschen gibt, die sich für die politische Situation in der Türkei interessieren, denkt der Bücherfreund und spaziert weiter.

Beim nächsten Promi ist es schwieriger: ach so! der Sohn vom Herrn Ochsenknecht, da steht es ja angeschlagen! Kennt man den? Viele junge Mädchen kennen ihn scheinbar und werden vermutlich auch sein Buch kaufen, so wie sie sich hier um den Stand drängeln. Mit welchen Themen setzt er sich denn auseinander, der wilde Kerl? Hat eine rebellische Meinung zur Lage der Nation? Was? Ein Kochbuch? oder so….Ach.. Na dann, viel Erfolg, da bleibe ich lieber bei Belletristik und Schwedenkrimis, denkt sich der Bücherwurm.

So lässt er sich weiter treiben und blättert hier und stöbert da, wunderschöne Bildbände und großformatige Kalender mit prächtigen Fotos, dass es eine wahre Lust ist, Neuerscheinungen, die Lust auf lange, dunkle Abende vorm Kamin machen. – Das mit dem Kamineinbau muss ich jetzt aber wirklich angehen, denkt sich der Gebildete, sonst wird das diesen Winter wieder nix- .

Die Papiertasche füllt sich, an Einigem kann er dann doch nicht vorbeigehen. Halt! Was ist denn das hier? Kubitschecks Antaios-Verlag? Auch auf der Buchmesse? Sollte der nicht…? Am Stand daneben: Bücher zur Psychoanalyse. Passt das zusammen? Die Auflösung: ein Zahnarzt hat den Verlag gekauft, oder tut er nur so? Der Zahnarzt ist sehr jovial und unterhält sich mit dem Bücherfreund. Ein sehr netter Mensch, denkt er, bei dem müsste ich mir mal die Zähne richten lassen. Im Davongehen muss er in sich hinein kichern: das riecht nach einer ausgemachten Eulenspiegelei.

Hintergrundinformation:

Messe Frankfurter Buchmesse - die größte Buchmesse der Welt

Die Frankfurter Buchmesse in Frankfurt ist die größte Buchmesse der Welt. Mehr als 7.100 Aussteller aus rund 100 Ländern präsentieren auf der Buchmesse Frankfurt auf knapp 170.000 m² Ausstellungsfläche über 400.000 Buchtitel, Landkarten, Manuskripte und Grafiken sowie digitale Medien wie Hörbücher und E-Books aller Themen. Darüber hinaus wird die Buchproduktion und die Kultur eines Gastlandes jedes Jahr besonders herausgestellt und der Deutsche Jugendliteraturpreis verliehen. In erster Linie dient die Frankfurter Buchmesse Verlegern, Agenten, Buchhändlern, Bibliothekaren, Illustratoren, Filmproduzenten, Übersetzern, Druckern, Autoren, Antiquaren sowie Software- und Multimedia-Anbietern zur Vorstellung ihres Angebots und dem Abschluss von Geschäften.

7.100 Aussteller empfingen 286.000 Besucher

Frankfurter Buchmesse 2019: 16.-20. Oktober 2019

Text und Foto: S24N, mbb

17.10.2018


Die Festspiele Ludwigshafen vom 26. Oktober bis 16. Dezember 2018

Die Festspiele Ludwigshafen 2018 der Pfalzbau Bühnen vereinen Schauspielaufführungen der Theaterstadt München und Gastspiele großartiger Ballettensembles in ihrem aktuellen Programm. Die großen Schauspielhäuser stellen sich mit Klassischem und Modernem und vor allem bekannten Stars dem Ludwigshafener Publikum vor. Das Residenztheater ist mit vier Aufführungen vertreten: Ayad Akhtars Erfolgsstück Geächtet, Martin Kušejs Inszenierung von Wer hat Angst vor Virginia Woolf?, Nikolaus Habjans vielbeachteter Version von Marivauxs‘ Der Streit  und Molières Tartuffe. Die Kammerspiele zeigen Susanne Kennedys überwältigend-körperliche, rauschhafte Interpretation von Eugenides‘ Die Selbstmordschwestern, und das von Andrea Gronemeyer geleitete Kinder- und Jugendtheater Schauburg gastiert mit zwei Produktionen für Kinder und Jugendliche. Ein Höhepunkt im Spielplan wird zweifellos Der Kaufmann von Venedig vom Deutschen SchauSpielHaus Hamburg mit Joachim Meyerhoff in der Rolle des Shylock sein. Ergänzt wird das vielfältige Schauspielprogramm durch eine Reihe von Lesungen, u.a. von Brigitte Hobmeier und Josef Bierbichler.

Das abwechslungsreiche Tanzprogramm der Festspiele wird erstmals von der Choreographin Nanine Linning verantwortet. Eröffnet wird das Festival mit einem zweiteiligen Abend des renommierten Ballet National de Marseille, das jüngste und international bejubelte Tanzstück der britischen Hofesh Shechter Company steht ebenso auf dem Spielplan wie das Ballett Basel oder das Scapino Ballet Rotterdam. Auch Experimentelles wird geboten, z.B. die taiwanesische Produktion Huang Yi & Kuka mit einem tanzenden Roboter im Mittelpunkt des Geschehens. Ein Wiedersehen gibt es mit Linnings durch das Werk des bekannten Malers inspirierten Tanzstück Bacon. Gefördert wird der Tanz bei den Festspielen Ludwigshafen auch in diesem Jahr von der BASF SE.

Schauspiel

Das Schauspielprogramm der Festspiele Ludwigshafen ist geprägt durch Gastspiele aus München. In einer Werkschau werden mehrere Aufführungen des Residenztheaters München gezeigt.

Am 30. und 31.10.18 steht Martin Kušejs packende Inszenierung des Albee-Klassikers  Wer hat Angst vor Virginia Woolf? auf dem Programm. Der Regisseur interpretiert den unerbittlichen Schlagabtausch des Professorenehepaares George und Martha als große Liebesgeschichte, die im kühlen, abstrakten weißen Bühnenbild eine Tragödie offenbart. In der hochkonzentrierten Aufführung glänzt Bibiana Beglau – 2017 zur Schauspielerin des Jahres gekürt – als Martha neben den ebenfalls hervorragenden Darstellern Norman Hacker, Johannes Zirner und Nora Buzalka.
Ayad Akhtars Stück Geächtet, eines der erfolgreichsten amerikanischen Theaterstücke der letzten Jahre, hat schnell auch seinen Siegeszug an deutschen Bühnen angetreten. Es wurde mit dem Pulitzer-Preis und dem renommierten österreichischen Nestroy-Preis ausgezeichnet und bei der Kritikerumfrage des Magazins Theater heute 2016 zum besten ausländischen Stück gewählt. Antoine Uitdehaag hat das Stück um den Anwalt Amir Kapoor mit pakistanischen Wurzeln, der bei einem Abendessen mit Freunden zuerst die Fassung und dann seine gesamte Existenz verliert, spannend und stimmig inszeniert. In der Hauptrolle der Aufführung, die am 3. und 4.11.18 bei den Festspielen zu sehen ist,  brilliert Bijan Zamani.

Nach Jeffrey Eugenides‘ Roman Die Selbstmordschwestern schuf Susanne Kennedy, bekannt für ihr ungewöhnlichen Regiezugriffe, eine ritualisierte, radikale Inszenierung des Stoffes an den Münchner Kammerspielen, die mit Videoeinspielungen, Gesichtsmasken und Voice-Over-Technik herkömmliche Sehgewohnheiten infrage stellt. Kennedys Romanadaption versucht erst gar nicht, der erfolgreichen Verfilmung von Sophia Coppola nachzueifern. Sie nimmt die Perspektive der Nachbarsjungen ein, die entsetzt die Selbstmordserie der fünf Schwestern beobachten und dann in einem knallbunten Erinnerungsraum wieder und wieder ihre Totenrituale vollziehen. Wer sich beim Gastspiel am 17. und 18.11.18 darauf einlässt, erlebt Theater, das einem LSD-Trip gleicht – Bewusstseinserweiterung inklusive.

Dass sich einem vermeintlich bekannten Klassiker noch ganz neue Nuancen abgewinnen lassen, zeigt Mateja Koležnik auf überraschende Weise mit ihrer streng stilisierten Inszenierung von Molières Tartuffe, zu sehen am 27. und 28.11.18 im Rahmen der Werkschau des Residenztheaters. Der perfide Schwindler Tartuffe schleicht sich als bescheidener Gutmensch in eine Familie ein und betört den reichen Hausherrn Orgon. Bald ist ihm jeder Besitz überschrieben und die Tochter als Braut versprochen. Die slowenische Regisseurin erzählt das Aufeinandertreffen von Heuchelei und Leichtgläubigkeit in einer achtzig Minuten kurzen, hochkonzentrierten Textfassung ohne jeglichen Substanzverlust. Sie verlegt die Geschichte mit einem herausragenden Schauspielensemble –  u.a. mit Sophie von Kessel und Oliver Nägele – in ein raffiniert konstruiertes Treppenhaus, in dem sich die Figuren treffen, einander belauern und bespitzeln und konspirative Pläne schmieden. Letztlich erweist sich die Scheinheiligkeit der dekadenten Familie als ebenso schändlich wie Tartuffes Hinterhältigkeit.

Wer war zuerst untreu – Mann oder Frau? Um diese Frage zu beantworten, spielt der französische Dichter Marivaux in seinem Stück Der Streit den Sündenfall durch einen makabren Menschenversuch nach. Der österreichische Shootingstar Nikolaus Habjan inszeniert das seltsame Experiment über den Ursprung der Untreue mit Schauspielern und lebensgroßen Puppen, die beim Gastspiel am 15. und 16.12.18 zum Abschluss der Festspiele von den Akteuren auf der Bühne geführt werden. Auf hinreißende Weise beleben die Schauspieler ihre Figuren in einer klinisch weißen Menschenversuchsanstalt. Die Puppen werden zu ausdrucksstarken Persönlichkeiten – erschreckend menschlich und doch abstrakt.

Einen Höhepunkt im Spielplan stellt das Gastspiel des Deutschen SchauSpielHauses Hamburg mit Shakespeares Der Kaufmann von Venedig dar – am 24. und 25.11.18 in Ludwigshafen zu sehen. Shakespeare nannte sein Stück eine Komödie, und Intendantin Karin Beier inszeniert das Werk in seiner ganzen Doppelbödigkeit. Zugleich schwerelose Leichtigkeit und tieftraurige Betroffenheit halten sich in dieser Aufführung souverän die Waage, in der es ein Wiedersehen mit Joachim Meyerhoff als Shylock gibt. Gnadenlos unversöhnlich ergreift dieser entschlossen die Chance, sich für jahrelange Demütigungen zu rächen und steht am Ende doch wieder als der Düpierte da. In der klug ins Heute transponierten Inszenierung sind sämtliche Rollen hervorragend besetzt.

Lesungen

Das Schauspielprogramm der Festspiele Ludwigshafen wird ergänzt durch eine Reihe von Lesungen bekannter Autoren und Schauspieler rund um die Stadt München.

So liest die Ausnahmeschauspielerin Brigitte Hobmeier am 9.11.18 Herbert Achternbuschs moderne Passionsgeschichte Susn, die den traurigen Werdegang einer jungen bayerischen Frau vom Lande nachzeichnet. Hobmeier liest diese Erzählung mit enormer Ausdrucksfähigkeit zwischen überwältigender Kraft und anrührender Zartheit. Ihr sprudelnder Erzählfluss erweckt die lebenshungrige, aufsässige und geschundene Susn, die zuweilen als das weibliche Spiegelbild ihres Erfinders betrachtet wird, eindrucksvoll zum Leben.

Rainer Kühn, den Ludwigshafener Zuschauern als Faust in Tilman Gerschs Inszenierung bekannt, interpretiert in seinem Programm Wer leiht jungem Sänger altes Lied zum Singen? am 11.11.18 Szenen und Lieder von Karl Valentin. Wie kein zweiter beherrschte Valentin das saudumme Daherreden, nur seine Partnerin Liesl Karlstadt war annähernd ähnlich talentiert. Gemeinsam erfanden sie Dialoge von unvergleichlichem Witz: ein vordergründig harmloses Geplauder, dessen Perfidie sich erst bei genauem Hinhören offenbarte. Der Wiesbadener Schauspieler Rainer Kühn gibt ihm wieder eine Stimme, lässt seinen anarchischen Humor hochleben und wirft zugleich einen Blick auf den anderen, den einsamen und verzweifelnden Menschen.

Die Menschen in Josef Bierbichlers Roman Mittelreich sind Geworfene. In einer Gastwirtschaft am Ufer eines bayrischen Sees ist erstes Gebot die Erhaltung der Lebensgrundlage für drei Generationen der Seewirtsfamilie, und dafür müssen Opfer gebracht werden. Von der großen Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit, von all den Träumen, die hier begraben werden müssen, von den klaftertiefen seelischen Wunden, die eine bigotte Gesellschaft schlägt, ist die Rede. Der Schauspieler Josef Bierbichler wirft einen unsentimentalen, zuweilen wütenden, aber auch sehr liebevollen Blick auf eine bäuerliche Welt, die alles andere als heil ist. In Ludwigshafen liest er selbst aus seinem erfolgreichen Roman.

Schließlich gibt am 9.12.18 der aus Film und Fernsehen bekannte Schauspieler Holger Stockhaus Kostproben aus Ludwig Thomas Lausbubengeschichten. Dieses Buch hat eine ganze Generation geprägt. Die stark autobiographischen Erzählungen schildern die Erlebnisse des heranwachsenden jungen Ludwig während der wilhelminischen Ära, seine zahlreichen Streiche und drastischen Boshaftigkeiten teils aus kindlicher Perspektive, teils mit Ironie und Sarkasmus. Ob er das schicke Spielzeug-Dampfschiff eines Spielkameraden mit Knallkörpern im See versenkt, der vom Religionslehrer Kindlein gespendeten Gipsstatue des heiligen Aloysius die Nase abschießt oder einen Stein durch das Fenster der Wohnung des Schulrektors wirft und damit ein gerade entstehendes Gemälde zerstört – es gibt unzählige Anlässe, die Thoma äußerst unterhaltsam und verschmitzt in seinem Buch beschreibt.

Das Tanzprogramm

Das von der BASF SE geförderte und erstmals von Nanine Linning kuratierte vielfältige Tanzprogramm der Festspiele Ludwigshafen 2018 weist einerseits große Namen von Ensembles auf, die z.T. erstmals in Ludwigshafen gastieren, präsentiert aber auch auf der Hinterbühne kleinere Stücke mit Lust am Innovativen und Ungewöhnlichen.

Zur Eröffnung präsentiert das Ballet National de Marseille am 26. und 27.10.18 die beiden Stücke Extremalism und Boléro. Seit 2014 lenken Emio Greco und Pieter C. Scholten die Geschicke der Compagnie. Sie knüpften an das an, was sie mit ICK Amster-dam begonnen hatten, einem internationalen Choreographie-Zentrum in Amsterdam. Dort hatten sie ebenso intensiv mit dem klassischen Vokabular als auch mit Elementen des postmodernen Tanzes gearbeitet.
In ihrem Stück Extremalism stellt das Künstlerkollektiv die Frage, wie Körper auf extreme Situationen reagieren. Das große Ensemble aus 30 Tänzern des Ballet National de Marseille und des ICKamsterdam zeigt in einer spannungsreichen Aufführung in schwarzen Kleidern und hautfarbenen Trikots gruppendynamische Prozesse auf. In ihrer Jubiläumsproduktion schlagen sie den Bogen von der Gegenwart in die Vergangenheit, um von hier aus einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Im Bolero von Maurice Ravel konzentrierten sich die Choreographen auf die Reibung zwischen Körper und Musik. Wie eine Gewalt, die sie überwältigt, symbolisiert die Musik des Bolero einen Kampf, in dem die inneren Widersprüche jedes Menschen zum Ausdruck kommen. Konfrontiert mit der unerbittlichen Melodielinie, die das Ensemble in immer wieder neuen Bewegungen ihrer Hände synchron nachzeichnet, enthüllt der Körper sein Zögern, seine Risse und seine Sehnsüchte.

Das Scapino Ballett aus Rotterdam blickt auf ein langjähriges Bestehen zurück und steht an der Spitze von Hollands Tanzkultur, die international einen herausragenden Ruf errungen hat. Seit seiner Gründung 1945 hat Scapino eine entscheidende Rolle in der Entwicklung des Modern Dance gespielt. Seitdem Ed Wubbe 1992 zum künstlerischen Leiter ernannt wurde, beschert er dem Scapino Ballett expressive Choreographien, in denen theatrale Finesse und Emotionalität zusammenfließen, seine Vielseitigkeit und Produktivität sind einzigartig.

Mit dem Stück Scala, das Scapino am 7.11.18 auf die Bühne bringt, hat Ed Wubbe ein extravagantes Barock-Tanzdrama geschaffen, das von Romantik, Prunk und Verführung handelt, von erotischer Ausschweifung und Dekadenz erzählt. In opulenten, reich verzierten schwarzen Kostümen mit Goldglanz und Transparent-Effekten agiert das Ensemble zusammen mit zehn Musikern und zwei Opernsängern hochdramatisch auf der Bühne. So geht es Wubbe in seiner Choreographie letztlich darum, die dunklen Welten des Abgründigen, von Heimtücke und Hinterlist unter der Oberfläche von Schönheit und Eleganz offenzulegen.

Die Kreationen des Griechen Dimitris Papaioannou sind überwältigende Gesamtkunstwerke. Mit seiner 1986 gegründeten Compagnie Edafos Dance Theatre entwickelte er einen unverwechselbaren Stil, in dem Tanz, Performance, Bühne, Licht und Musik gleichwertig ineinander verwoben sind. Inzwischen ist Papaioannou Regisseur, Choreograph, Performer, Bühnen- und Kostümbildner und Maler in einem, seine Inszenierungen sind von großer ästhetischer Harmonie und spiegeln zugleich die intensive Reibung des Künstlers mit gesellschaftlichen, politischen und sozialen Sujets, so auch The Great Tamer. In diesem Werk erforscht Papaioannou den menschlichen Körper in all seinen Facetten von der Geburt bis zum Tod. In einem magischen Bilderreigen über den Kreislauf des Lebens erleben wir, wie zehn Performerinnen und Performer sich auf eine archäologische Expedition begeben, um den Kern unseres Daseins freizulegen. Auf einem sich permanent bewegenden Bühnenboden erscheinen Körper und Objekte, die in Einzelteile zerfallen, sich wieder zusammensetzen und somit Mythen und Legenden aufleben und wieder vergehen lassen.

Er malte die Abgründe der menschlichen Seele: der britische Maler Francis Bacon. Die Beziehungen zugrunde liegenden Mechanismen von Begehren, Dominanz und Ausgrenzung stellte er in seinen Bildern auf eine schonungslos ehrliche Weise dar, die von schmerzhafter Schönheit zeugt. Die Choreographin Nanine Linning ergründet mit ihrem Stück die Gefühlswelten der Bilder Bacons. Mit exzessiver Körperlichkeit erforscht die Choreographie zum packenden Sounddesign von Jacob ter Veldhuis fundamentale Verhaltensmuster, die mit ihrer Archaik und Unbarmherzigkeit die Grenzen zwischen menschli¬chem und animalischem Gebaren verschwimmen lassen. Linnings Szenerie spielt dabei mit den verborgenen Seiten wie auch mit den charakteristischen geometrischen Strukturen in Bacons Gemälden, die die Figuren zu umgrenzen scheinen. Das unter anderem mit dem „Swan“ für die beste niederländische Choreographie ausgezeichnete Stück Bacon ist am 13. und 14.11.18 in einer aktuellen choreographischen Bearbeitung und mit neuem Video- und Lichtdesign in Ludwigshafen zu sehen.

Grand Finale ist ein international bejubeltes Werk, das mit der Hofesh Shechter Company aus Großbritannien am 21. und 22.11.18 nach Ludwigshafen kommt. Aufgeführt von zehn Tänzern und sechs Musikern, denkt er in seinem Werk über die Unsi-cherheiten und Verwirrungen unserer bewegten Zeiten nach. Es geht um das Gefühl, dass Dinge außer Kontrolle geraten und die Menschen mit Panik oder Euphorie darauf reagieren. Das Gefühl von Chaos und Apokalypse hat gleichzeitig auch etwas Amüsantes, denn keiner fühlt sich verantwortlich für das, was geschieht. Alle nehmen die Haltung von Beobachtern ein. Ausgehend von dem Traum von einer Stadt aus Papier entwickelte Tom Scutt seine Bühnenbildidee einer gleichzeitig stabilen, aber auch flexiblen Szenerie, in der die Strukturen von den Tänzern in der Bewegung geschaffen werden und über die Bühne zu fließen scheinen.

Im Vordergrund von Johan Ingers abendfüllendem Handlungsballett steht das altbekannte Drama von Liebe und Eifersucht. Doch das Carmen-Ballett des Schweden basiert nicht allein auf der Geschichte seiner weiblichen Protagonistin, sondern es konzentriert sich auch, ähnlich wie in Prosper Merimées literarischer Vorlage des Stoffes, auf Don José. Unfähig, den freiheitlichen Geist seiner Geliebten zu akzeptieren, führt ihn diese Liebe auf den Weg in eine emotionale Hölle: Eifersucht, Leidenschaft und Rache bestimmen sein Denken und sein Handeln. Don José wird in eine Spirale der Gewalt getrieben. Inger choreographierte seine Carmen für das Ballett Basel hauptsächlich zur Musik von Rodion Shchedrin aus dem Blickwinkel eines Jungen. Die technischen Resonanzklänge der eigens für dieses Stück geschriebenen und aufgenommenen Musiknummern des spanischen Komponisten Álvarez nutzt der Choreograph als Stimmungsträger für die introspektiven Sequenzen Don Josés. Das Ballett Basel gastiert am 1. und 2.12.18 in den Pfalzbau Bühnen und wird von der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz live begleitet.

2005 gründete Marcos Morau das Kollektiv La Veronal – zusammen mit Künstlern aus den Bereichen Tanz, Film, Photographie und Literatur. Seitdem wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und choreographiert an wichtigen Ensembles wie der National Dance Company of Spain und am Royal Danish Theatre in Kopenhagen. In Pasionaria stellt er am 08.12.18 die emotionale Distanziertheit unserer Gegenwart in Frage. In seinem Stück entfesselt Morau zur Musik von Johann Sebastian Bach menschliche Leidenschaften in einer mechanisierten, fremdartigen Roboterwelt. Er versetzt uns an einen fernen Ort, den Planeten Pasionaria. Die dort lebenden Wesen ähneln zwar den Menschen, aber sie haben keine Gefühle, Leidenschaften und Hoffnungen, sondern agieren wie ferngesteuert. Marcos Morau und seine Tänzer regen in ihrem düsteren und doch faszinierenden Blick in die Zukunft zur Reflexion über die Idee des Fortschritts an.

Der gefeierte taiwanesische Tänzer und Choreograph Huang Yi und sein Roboter-Freund KUKA bringen am 12. und 13.12.18 messerscharfe Präzision und überwältigende Artistik zu den Festspielen Ludwigshafen. Indem Huang Yi & KUKA harmonisch den Tanz und die Wissenschaft mechanischer Ingenieurskunst miteinander verwebt, entsteht ein poetisches Werk, das makellos den modernen Tanz mit der Bildenden Kunst und dem Reich der Roboter verbindet. Abgesehen von der Präzision ist das Zusammenwirken zwischen Huang Yi als Tänzer und dem Roboter KUKA sehr intim und einzigartig. In gewisser Weise ist die Choreographie eine Kompensation des Kummers und der Traurigkeit, die Huang Yis Kindheit überschattete. Einsamkeit, Selbstzweifel, Selbsterkenntnis und Selbstbewusstsein kommen darin zum Ausdruck.

Konzert Fatoumata Diawara

Zeitgleich mit der Veröffentlichung ihres neuen Albums Fenfo gastiert Westafrikas im Moment wohl berühmteste Sängerin Fatoumata Diawara am 11.11.18 auf den Pfalzbau Bühnen. Fünf Jahre nach ihrem viel beachteten Debüt-Album Fatou produzierte sie Fenfo zusammen mit Matthieu Chedid alias – M –. Von ihm stammt die Liebe zu Malis Musik und Kultur, von ihr die afrikanische Bluestradition, gemeinsam entstand ein moderner Sound.

Diawaras Biographie spiegelt die Spannungen einer Gesellschaft, in der Musiker einerseits Identität stiften, andererseits jedoch zunehmend von religiösen Extremisten bedroht werden. Nachdem sie gegen ihren Willen mit einem Cousin verheiratet werden sollte, floh die junge Frau nach Frankreich ins Exil, von wo aus sie sich jedoch immer in ihre Heimat zurück sehnt. In ihren melodiösen Liedern, die die traditionelle Musik Malis mit Elementen aus Rock und Pop verbindet, prangert sie gesellschaftliche Missstände wie die Beschneidung und Zwangsheiraten an.

Kindertheater

Der Perkussionist Peter Hinz und die Tänzerin Julie Pécard entwickelten mit Andrea Gronemeyer im Mannheimer Schnawwl das grenzüberschreitende Theaterstück Tanz Trommel, das sie mit an die Schauburg München nahmen. Im Rahmen der Festspiele Ludwigshafen gibt es am 04.12.18 die Gelegenheit, diese mit dem Theaterpreis DER FAUST ausgezeichnete Produktion erneut in der Metropolregion zu erleben. Ohne Worte, doch voller Sprachen erzählen zwei Menschen eine Geschichte vom Zauber des Entdeckens, des Erlebens und der Begegnung. Der Tanz und die Musik sind Weltsprachen, die keine Grenzen kennen. Bewegung und Töne werden unmittelbar erlebt und erfahren. Gerade deshalb eignen sie sich wunderbar für ein junges Publikum, dessen Spracherwerb noch in vollem Zuge ist.

Mit Ich lieb dich von Kristo Šagor zeigt die Münchner Schauburg ein weiteres Zwei-Personen-Stück und geht darin der einfachen und zugleich großen Frage „Was ist Liebe?“ nach. Ein Junge und ein Mädchen spielen verschiedene Möglichkeiten durch. Sie beobachten die Liebe von Menschen, die sie kennen. Wie lieben sich Geschwister? Wie lieben sich Freunde? Eltern und Kind, Kind und Haustier – und: Wie lieben sich Lebenspartner? Während die beiden von Spiel zu Spiel wechseln, nimmt ihre eigene Beziehung immer mehr Gestalt an. Ich lieb dich für Kinder ab 8 Jahren ist am 06.12.18 auf der Hinterbühne zu sehen.

Extras

Die Reihe der kulturpolitischen Diskussionen wird am 19.11.18 mit einer Gesprächsrunde zum Thema Meinungsfreiheit fortgesetzt. Wo endet die Freiheit der Andersdenkenden? stellt in einer prominenten Teilnehmerrunde Fragen wie die Folgenden: Kann man alles sagen? Darf man alles sagen? Wie souverän gehen wir mit anderen Meinungen um? Gibt es eine unsichtbare Zensur? Wird das Recht auf Meinungsfreiheit von Kräften missbraucht, die selbst keinen Widerspruch ertragen? Und welche Funktion hat die Institution Theater, die den Anspruch erhebt, für alle da zu sein?

Moderiert von Frank Pommer, Feuilletonchef der Tageszeitung Die Rheinpfalz, diskutieren auf dem Podium: Professor Dr. Norbert Bolz, Autor und Professor für Medienwissenschaft an der TU Berlin, Jan Fleischhauer, Journalist Der Spiegel, Rita Thiele, Chefdramaturgin und stellvertretende Intendantin Deutsches SchauSpielHaus Hamburg, Professor Dr. Rüdiger Safranski, Schriftsteller, Professor Dr. Frank Kalter, Professor für Soziologie an der Univer-sität Mannheim und Leiter des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsfor-schung /DeZIM-Institut in Berlin

Anlässlich des München-Schwerpunkts bei den Festspielen widmen sich die Pfalzbau Bühnen in der ersten Wort und Wein-Veranstaltung dieser Spielzeit am 2.11.18 einem prominenten Gast. Er gab unserer Stadt ihren Namen und hinterließ zahlreiche Spuren in der zeitlebens von ihm geliebten Pfalz. Auch als Liebhaber und Förderer der Kunst hat sich Ludwig I., von 1825 bis 1848 König von Bayern, bleibenden Ruhm erworben. In München erbaute er u.a. die Alte Pinakothek, die Glyptothek und die Staatsbibliothek. Bis heute prägen diese Bauwerke und mit ihnen Ludwigs Liebe zur griechischen Antike das Gesicht der Stadt. Zu alldem hinterließ er ein umfangreiches dichterisches Werk und zahlreiche Tagebücher. Dass er über seine Affäre mit der irischen Tänzerin Lola Montez stolperte und 1848 die Macht eher unfreiwillig an seinen Sohn Maximilian abgab, zeigt die emotionale Begeisterungsfähigkeit des Monar-chen und lässt ihn uns menschlich näher rücken.

Stadt Ludwigshafen am Rhein

25.09.2018


50 Jahre Theater im Pfalzbau 1968 bis 2018

Ludwigshafen / Pfalzbau - Bereits im September 1928 wurde der Pfalzbau am heutigen Berliner Platz eingeweiht – ein Mehrzweckbau mit einem großen Konzert- und Kino-bzw. Theatersaal, der eine beträchtliche Anzahl von Zuschauern fasste. Nach dessen weitgehender Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1943/44 wurde das Gebäude 1952 nach seiner notdürftigen Wiederherstellung neu eröffnet. Die räumlichen Verhältnisse waren aber so unzureichend, dass schon bald über einen Neubau nachgedacht wurde.  Nach fünfjähriger Bauzeit wurde schließlich im September 1968 auf dem ehemaligen Gelände der Aktienbrauerei der neue Pfalzbau, entworfen von Alfred Koch und Edwin Steinhauer, mit einem Gastspiel des Nationaltheaters Mannheim mit Mozarts Zauberflöte feierlich eröffnet.

Erster Theaterleiter war Karl Nord, der auch schon vorher die Geschicke des Theaters bestimmt hatte. Er lud Bühnen aus der näheren Umgebung sowie Tourneetheater ein. Im Dezember 1976 übergab der inzwischen 65-Jährige die Amtsgeschäfte seinem Nachfolger Dr. Rainer Antoine. Der ehemalige Chefdramaturg von Münster und Wiesbaden, der gelegentlich auch selbst inszenierte, sorgte dafür, dass nun in Ludwigshafen Welttheater zu sehen war: Von nun an konnte man hier Ensembles wie das Bolschoi-Theater, die Wiener Staatsoper und die Comédie Francaise bewundern. Den guten Kontakt zum Publikum sicherte er sich durch zahlreiche neue und neuartige Abonnementmöglichkeiten.

Nach dem frühen Tod Antoines und einer Interimsleitung durch dessen Stellvertreter Klaus Hoffmann wurde Rudolf Christian Sauser im August 1986 Intendant in Ludwigshafen. Er setzte vor allem Akzente im Bereich des Musiktheaters: Durch vermehrte Gastspielauftritte und – ein Novum in Ludwigshafen – Eigenproduktionen. Die erste eigene Inszenierung, die Barockoper Die großmütige Tomyris von Reinhard Keiser, hatte im April 1988 Premiere – mit großem überregionalem Erfolg und einer Riege junger Sänger, die später noch Weltkarriere machen sollten, etwa Gabriele Fontana und Christoph Prégardien. Weitere eigene Produktionen sollten folgen, und auch in Schauspiel und Tanz setzte der neue Theaterleiter mit avancierten Gastspielen erfolgreich eigene Akzente. Auch neue Abonnementreihen, z.B. Theater aktuell mit Uraufführungen neuer Stücke, erschlossen ein neues Publikum.

Im August 1991 übernahm Michael Haensel – der ehemalige stellvertretende Leiter der Kölner Oper – die Leitung des Theaters. Haensel setzte auf internationale Theaterkooperationen: Das Theater im Pfalzbau knüpfte zahlreiche internationale Kontakte vor allem im Bereich des Musiktheaters und schuf hier Eigenproduktionen auf hohem künstlerischem Niveau. Im Schauspiel-Bereich bewährte sich die Kooperation des Theaters im Pfalzbau mit dem Thalia Theater in Hamburg und dem Staatsschauspiel Dresden, was dem Theater u.a. Gastspiele von Inszenierungen Robert Wilsons und anderen bekannten Regisseuren bescherte.

Nach einer Interimszeit von Jörg Fischer bestimmte Prof. Hansgünther Heyme ab Februar 2004 die Geschicke des Theaters im Pfalzbau. Heyme gab dem Ludwigshafener Theater durch die Gründung der Festspiele Ludwigshafen, eigene Schauspielproduktionen sowie verschiedene in den Spielplan integrierte Festwochen neue Impulse. Ein Höhepunkt seines Theaterschaffens stellte in seinen letzten Amtsjahren die Inszenierung von Richard Wagners Ring-Zyklus in Zusammenarbeit mit der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der musikalischen Leitung von Karl-Heinz Steffens dar.

Seit Januar 2014 leitet Tilman Gersch das Theater im Pfalzbau. Unter seiner Intendanz gewannen die Pfalzbau Bühnen neues Profil: er führte regelmäßige Werkschauen großer deutscher Schauspielhäuser, z.B. des Deutschen Theaters Berlin oder des Burgtheaters Wien, bei den Festspielen Ludwigshafen ein. Im Tanztheater wird das Programm seit einigen Jahren von externen Kuratoren zusammengestellt, etwa dem Mainzer Tanzdirektor Honne Dohrmann oder der Choreographin Nanine Linning. Gersch stellte den Jugendbereich seines Theaters mit zahlreichen Spielangeboten für alle Altersgruppen unter dem Namen Junge Bühne neu auf und inszenierte unterschiedliche Schauspiele selbst. Darunter als Koproduktion mit dem Staatstheater Karlsruhe die Uraufführung von Gerd Ledigs Faustrecht, Grillparzers Das goldene Vlies und am Schauspiel Essen das Stück Sophia, der Tod und ich. Er schuf das Festival OFFENE WELT, das sich in internationalen Gastspielen mit dem Thema Migration und Globalisierung auseinandersetzt. Seine neu eingeführte Reihe Wort und Wein mit illustren Gästen, die sich den Fragen des Intendanten in entspannter Runde stellen, erfreut sich regen Zuspruchs.

Stadt Ludwigshafen am Rhein / Pfalzbau

25.09.2018


Ausstellung "4 mal Götze - eine Hallenser Künstlerfamilie

©Wasja Götze, Von einem der auszog oder der Traum von der schwedischen Trainingsjacke, 1988, Öl auf Hartfaser, 123 x 85 cm

Speyer / Kulturhof Flachsgasse - Eröffnung der gemeinsamen Ausstellung von Städtischer Galerie und Kunstverein "4 mal Götze - eine Hallenser Künstlerfamilie" am Freitag, dem 28. September 2018 um 18:00 Uhr im Kulturhof Flachsgasse.

So viel Harmonie verblüfft. Mutter, Vater, Sohn und Schwiegertochter– da kommen einem sonst nur Handlungsabläufe voller Reibereien in den Sinn. Die Künstlerfamilie Götze aus Halle an der Saale ist eine bemerkenswerte Ausnahme. Dieses Phänomen kommt zu seinem Erfolg, weil ein Gleichgewicht der eigenwilligen Charaktere die Familie stabilisiert, jeder sich auf das konzentriert, was er am besten kann und den anderen nirgends reinredet.

Auch sind Halles zwei nördlichen Stadtteile Giebichenstein und Kröllwitz ein stabiles Biotop für Künstler, nicht nur als kreativer Hotspot sondern auch als Kontaktraum für Familienplanungen. Die Kunsthochschule Burg Giebichenstein ist ihr ambivalentes Zentrum.

©Inge Götze, Zeichen aus den Weiten Asiens, 2003, Collage, 70 x 50 cm

Inge, Wasja und Grita Götze haben an der Burg studiert. Moritz Götze hat nach einer Tischlerlehre und dem Betrieb einer Siebdruckwerkstatt den seitlichen Einstieg zur Kunst gefunden.

An der Burg Giebichenstein gab es immer freie, fast unbeaufsichtigten Räume für Experimente, der Rahmen dafür war die Pflege eines unverstaubten und soliden Handwerks.

Inge Götze hat sich als Professorin und verehrte Lehrerin an der Burg Giebichenstein große Verdienste erworben. Der Sohn Moritz hatte dort eine geraume Zeit einen Lehrauftrag inne.

Stadt Speyer, Kulturbüro Foto: (1) Wasja Götze, (2) Inge Götze, (3) Grita Götze, (4) Moritz Götze

21.09.2018





©Grita Götze, Steiniger Strand, 2013, Engobemalerei, H 51,5 cm

©Moritz Götze, Irgendwann ist immer jetzt (nach Cranach dem Älteren), 2017, Öl auf Leinwand, 120 x 160 cm (evtl. nicht in Ausstellung zu sehen)



Druckerwochenenden in der Speyerer Winkeldruckerey: Altes bewahren und neue Akzente setzen

Speyer / Winkeldruckerey - Im Juni diesen Jahres verabschiedete die Stadt Speyer die Initiatoren und langjährigen künstlerischen Leiter der Winkeldruckerey, Jule und Artur Schütt, aus Altersgründen in den Ruhestand. Jetzt hat Oberbürgermeister Hansjörg Eger das neue Leitungsteam und das Programm der Druckerwochenenden für die Saison 2018/2019 vorgestellt.

Eger dankte in diesem Zusammenhang dem Ehepaar Schütt nochmals für das unermüdliches Engagement, mit dem es in den vergangenen 17 Jahren einen einzigartigen Ort geschaffen und mit Leben gefüllt hat.

„Die alte Druckkunst im digitalen Zeitalter weiterleben zu lassen ist Ehre und Verpflichtung zugleich.“, blickt Oberbürgermeister Eger auf die Zukunft des kulturellen Kleinods in Speyer. Die organisatorischen und programmatischen Aufgaben nimmt die städtische Abteilung Kultur, Marketing und Kommunikation nun gemeinsam mit Kunst- und Kulturschaffenden aus Speyer wahr. Neben Abteilungsleiter Dr. Matthias Nowack und Kulturreferentin Anke Illg gehören Jochen und Gerburg Frisch, Johannes Doerr, Franz Dudenhöffer und Prof. Frank-Joachim Grossmann zum Team. Die Betreuung der Werkstatt liegt nach wie vor in den Händen von Schriftsetzer Franz Schindler und Drucker Karl Herbel.

Das noch junge Team hat für die Druckerwochenenden 2018/2019 ein Programm zusammengestellt, das die gesamte Bandbreite der Druckkunst verspricht und neue Akzente setzt:

Eröffnet wird die Saison am 29. und 30. September von Luke Carter, einem jungen, aus Bristol/Großbritannien stammenden Druckkünstler und Illustrator. Mit Patrick Fauck kehrt am 27. und 28. Oktober ein ausgewiesener Druckgrafiker in die ihm aus Studienzeiten bekannte Metropolregion Rhein-Neckar zurück. Am 24. und 25. November sowie am 26. und 27. Januar folgen mit Anne Deuter sowie Franziska Neubert zwei Buchkünstlerinnen aus Leipzig. Der Holzschnitt steht dagegen am 23. und 24. Februar bei Martina Geist im Mittelpunkt. Mit Peter Rensch aus Berlin beschließt ein alter Bekannter am 30. und 31. März die erste Saison nach der Neustellung der Weichen in der Winkeldruckerey.

An den Druckerwochenenden wird am Samstag und Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr bei „offener Werkstatt“ in der Winkeldruckerey im Kulturhof Flachsgasse gearbeitet. Besucher können den Gastdruckerinnen und -druckern beim Werken über die Schulter schauen.

Darüber hinaus werden im Typographischen Kabinett im Kulturhof Flachsgasse für ca. vier Wochen die vor Ort entstandenen Blätter sowie weitere Drucke aus der Heimatwerkstatt der jeweiligen Gastdruckerinnen und -drucker gezeigt. Zu sehen ist diese Ausstellung bei freiem Eintritt von Donnerstag bis Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr.

Stadt Speyer, Kulturbüro Anke Illg

13.09.2018


Verlängerung der Ausstellung "Johannes Doerr | Gerd Roos †: Zwei Malerfreunde"

Auf Grund des großen Besucherinteresses wird die Ausstellung "Johannes Doerr | Gerd Roos †: Zwei Malerfreunde" in der Städtischen Galerie bis Sonntag, 23.9.2018, verlängert!

Speyer - Johannes Doerr und der im vergangenen Jahr verstorbene Gerd Roos waren 20 Jahre lang immer wieder gemeinsam unterwegs und hielten auf je eigene Weise in Zeichnung, Aquarell und Acrylmalerei vielfältige Eindrücke malerisch fest. Während gemeinsamer Urlaube, Malreisen und in den Sitzungen der Aktzeichengruppe AKTzent schufen sie ein umfangreiches Werk.

Johannes Doerr, in Bolanden 1953 geboren, lernte als Schriftsetzer und im Druckgewerbe tätiger schon früh den Umgang mit Typographie und künstlerischen Techniken. Gerd Roos, 1946 in Breitenbach bei Kusel geboren, erlernte den Beruf des Bauzeichners und studierte anschließend die Fächer Kunsterziehung und Geographie an der Erziehungswissenschaftlichen Hochschule Landau.

Beide liebten die Natur und das Vor-Ort-Zeichnen und -Malen. Viele Stunden verbrachten die Freunde damit, Natur, Landschaft, Architektur und den menschlichen Körper künstlerisch darzustellen. Daneben entstanden hin und wieder Buchtitelgestaltungen, Weinetiketten und andere gebrauchsgraphische Arbeiten.

Zu sehen ist die Ausstellung in der Städtischen Galerie im Kulturhof Flachsgasse von Donnerstag bis Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Stadt Speyer, Kulturbüro

10.09.2018


25. Spielsaison des MPS - Speyer / Bilderalben

Sonntag MPS 2018, Achim der Falkner, Schaukampf und Impressionen:

Foto: Speyer 24/7 News, dak


Samstag MPS 2018, Impressionen:

Foto: Speyer 24/7 News, sos


Samstagnacht MPS 2018, Stände und Band:

Foto: Nina Ebert


Samstag MPS 2018, Nacht und Turnier:

Foto: Wolfgang Lou Scheck

30.08.2018


Stonehenge Acoustic Friends spielten bekanntes und weniger bekanntes in Clubatmosphäre

Speyer - Die Gruppe Stonehenge Acoustic Friends aus Schifferstadt traten in der familiären Atmosphäre des Jugendcafes Speyer-Mitte auf. Justin König an der Gitarre, Ralf T. König am Bass sowie Markus Mohr am Cajon und diverser Percussion spielten sich durch 60 Jahre Musikgeschichte. Neben Liedern aus den 60ern spielten sie Bluesiges, aber auch aktuelle Lieder. Hin und wieder gesellte sich auch ein deutsches Lied darunter, ebenso gefühlvolle Balladen. Auch wenn alle Lieder schon irgendwo gehört hatte, gaben die drei Musiker den Stücken ihre eigene Note.

Die Musiker hatten es sich auf ihren Sitzmöbeln bequem gemacht, spielten aber dennoch keine „Einschlafmusik“, sondern eine Mischung aus schwungvollen Liedern, die zum Tanzen einluden (oder zumindest sich zu bewegen) und Balladen zum Träumen und zurücklehnen. Da die Musiker sehr nahe am Publikum dran waren, konnten sie sehr gut mit ihm interagieren. Auf Zwischenrufe oder Anmerkungen wurde sofort reagiert. Zu einigen Liedern gab es kurze Einführungen oder Anekdoten zu berichten. So war das Konzert eine gelungene Mischung aus Liedern und unterhaltenden Ansagen. Die Band brachte von Anfang an Stimmung ins Publikum, kurz gesagt, es war ein gelungener Auftritt.

CoLab gGmbH - Das Fachkraftwerk

24.08.2018


Führung mit dem Nachtwächter

"Unbekannte Stadt am Dom"

Speyer - Mit Abschluss der Bauarbeiten am Kaiserdom begann bereits Ende des 11. Jahrhunderts die Wallfahrt zur einst größten Kirche der Welt. Für Speyer nicht nur eine große Herausforderung, sondern auch die Gelegenheit, gutes Geld mit den Pilgern zu verdienen. Ganz nach der damaligen Feststellung "Pilgerleut han nie gereut" wird der Nachtwächter und Pilgervater zu Speier am Samstag, 25. August, mit einem Vollmondgang die Reihe seiner diesjährigen Sommernachtsgänge abschließen.

Durch die heute meist unbekannte Stadt am Dom geht es durch die abendliche Stadt. Treffpunkt ist der Georgsbrunnen in der Maximilianstraße, der Rundgang beginnt um 20.00 Uhr. Karten gibt es vor Ort oder der Tourist Info Speyer, eine Anmeldung ist nicht erforderlich!

Text: Nachtwächterey zu Speyer Foto: S24N, dak

15.08.2018

03.08.2018


Ausschreibung für den Förderpreis „Hans-Purrmann-Preis der Stadt Speyer für Bildende Kunst“ 2019

Selbstbildnis Hans Purrmann

Speyer - Am 9. Februar 2019 wird die Stadt Speyer den mit 6.000 Euro dotierten Förderpreis „Hans-Purrmann-Preis für Bildende Kunst der Stadt Speyer“ zum 19. Mal vergeben.

Dieser im Jahr 1965 anlässlich des 85. Geburtstages des Künstlers von der Stadt gestiftete Förderpreis wird alle zwei Jahre (bis 2015 alle drei Jahre) ausgeschrieben und ist nach Möglichkeit ungeteilt zu verleihen.

Dieser Preis sollte, so der ausdrückliche Wunsch von Hans Purrmann, an förderungswürdige junge Künstlerinnen und Künstler verliehen werden. Für die erste Stufe sind nur Fotos von maximal 6 Arbeiten einzureichen. Die von der Jury dann ausgewählten Künstlerinnen und Künstler werden zur Teilnahme an der Endauswahl mit ihren Originalarbeiten eingeladen.

Um den Hans-Purrmann-Preis (Förderpreis) kann sich jede/r bewerben, die oder der vergleichbar den Lebensstationen Hans Purrmanns (Geburt in der Pfalz, Lebens- und Arbeitsstationen in München, Berlin, Paris, Rom, Florenz, aber auch der Schweiz sowie dem Bodensee) einen europäischen Blick und Bezug, aber auch einen Bogen von europäischen Metropolen und ländlichen Räumen aufweist und das 35. Lebensjahr noch nicht überschritten hat (§ 4 der Vergaberichtlinien), es gelten folgende Anmeldebedingungen:

  1. Abgabe des vollständig ausgefüllten Bewerbungsbogens, Einreichungsfrist: 1. September bis 2. November 2018 (Datum des Poststempels).
  2. Lebenslauf mit künstlerischem Werdegang (1 DIN A4-Seite).
  3. Zugelassen sind je Arbeit 2 nicht digital bearbeitete Fotoabzüge (max. 13x18cm), nur bei audio-visuellen Kunstformen sind DVD oder CD-Rom erlaubt. Originale werden in der ersten Stufe des Wettbewerbs nicht angenommen, die exakte Beschriftung aller Unterlagen muss gewährleistet sein.
  4. Objektformate und Installationen, die die Möglichkeit der Präsentation übersteigen, werden von der Jury nicht berücksichtigt.
  5. Für die Rücksendung bitte ausreichend frankierten und adressierten Rückumschlag beifügen.
  6. Einsendeschluss: 2. November 2018, es gilt das Datum des Poststempels.
  7. Mit der Abgabe des Bewerbungsbogens erkennt die Künstlerin/der Künstler die Vergaberichtlinien an.

Ihre schriftliche Bewerbung richten Sie bitte bis spätestens 2. November 2018 an:

Stadt Speyer
Kulturbüro
Kleine Pfaffengasse 6
67346 Speyer

Weitere Infos unter www.speyer.de/purrmann-preis oder Telefon 06232 14-2250.

Preisverleihung: Samstag, 9. Februar 2019, 16 Uhr
Ausstellung: 9. Februar – 10. März 2019 im Kulturhof Flachsgasse
Öffnungszeiten: Do-So 11-18 Uhr

Stadt Speyer / Kulturbüro

09.07.2018


Straßenmalerei sorgte neben Plamen und Oleander für südliches Flair

Madonnari-Malerei entlang der Maximilianstraße

Speyer - Das Pflaster der Maximilianstraße wurde zur „Leinwand“ für Straßenkünstler: Am Dienstag und Mittwoch, 3. und 4. Juli 2018, veranstaltete die Stadt Speyer ein kleines Madonnari Festival, um Kunst und Kultur im öffentlichen Raum für jeden erlebbar zu machen. Dazu hatte sie drei Madonnari-Malerinnen aus Italien und einen Straßenkünstler aus Mexiko eingeladen, die auf Plätzen und Seitenbereichen der Maximilianstraße vergängliche Kunstwerke aus verschiedenen Epochen schaffen werden.

Der Begriff Madonnari stammt aus Italien. Seit dem 16. Jahrhundert wurden dort bei religiösen Festen und Prozessionen öffentliche Plätze insbesondere mit Kopien von Madonnendarstellungen bekannter Meister bemalt. Bis heute wurde die Bezeichnung der Madonnaris für diese traditionelle Kunstform beibehalten.

In Speyer konnten die Passanten Genny Gavio aus Italien beim Malen über die Schultern schauen. Sie ist seit 1994 als „Madonnara“ hauptsächlich in Nord- und Mittelitalien unterwegs und nimmt regelmäßig an internationalen Madonnara Wettbewerben von Mantova und anderen Festivals teil. Sie hat den 2. Platz beim Internationalen Streetpainting Festival von Toulon in Frankreich belegt.

Ebenfalls angereist war die italienische Straßenmalerin und Musikerin Francesca Arsi. Nach ihrer Ausbildung zur Wandmalerin und Restauratorin von Fresken und Stuckarbeiten studierte sie Malerei. Ihre Kunst zeigte sie bereits in vielen Ausstellungen. Zu ihren großen Erfolgen zählt die Teilnahme an der „Athens Art 2010“. Mit der Straßenmalerei hat sie 2014 begonnen.
Das italienische Trio komplettiert Sonja Samardzieva, die an der Akademie für Fine Arts in Florence studierte und mit dem Master abschloss.

Die Madonnaris sind bei internationalen Streetart Festivals dem Mexikaner Abraham Burciaga begegnet und haben ihn für das Speyerer Gastspiel gewonnen. Abraham Burciaga ist von Haus aus Ingenieur und entdeckte vor drei Jahren seine Leidenschaft für die Straßenmalerei. Seitdem nimmt er regelmäßig an internationalen Streetart Festivals teil. 2017 wurde er beim Festival Bella Via in Monterry Mexiko mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet.

Da die Künstler keine Gage erhielten, durfte sie einen Hut neben ihrem temporären Arbeitsplatz bereitstellen. Wir hoffen dies wurde gut angenommen, wir haben auf jedenfall etwas gespendt und das ganze sehr genossen.

S24N

05.07.2018


Vernissage Lukas Glinkowski

Berliner U-Bahn oder Kulturhof Flachsgasse?

Von Maria Benita Braun

Speyer / Kulturhof Flachsgasse - Fast könnte der Besucher meinen, er hätte sich in Tür geirrt oder wäre unversehens nach Berlin teleportiert worden. Aber nein! Die U-Bahn, die Gleise, der Geruch nach abgeriebenem Metall fehlt. Wir sind noch in Speyer, Kulturhof Flachsgasse. Doch die teils übergroßen Kunstwerke des polnischen Hans-Purrman-Preisträgers Lukas Glinkowski versetzen den Besucher in Großstadtstimmung. Ein enormes wandbildartiges Werk ist die maßstabgetreue Kopie der U-Bahnhof-Gestaltung der Haltestelle Paul-Stern-Straße. Es besteht aus quadratischen kleinen schwarzen Fliesen, die den Hintergrund bilden für die bunten Motiven aus mosaikartig eingelegten Fliesen. Sogar Graffitis finden sich auf Glinkowskis Arbeit.

Lukas Glinkowski vor einem seiner Kunstwerke

Der junge Künstler, der in Berlin lebt und arbeitet, stellt seine Werke bis 29. Juli im Kulturhof Flachsgasse aus. Die schweren, gefliesten Bilder aus wirklichen Fliesen oder Spiegelfliesen sind nicht ganz einfach zu transportieren, da doch ziemlich schwer, verrät der Künstler selbst, aber er hat eine Lösung gefunden: er bringt das Bild einfach in Einzelteilen mit und setzt diese dann erst in der Ausstellung zusammen.

Sein Sujet sind architektonische Ausschnitte aus dem Leben in der Metropole. Er ist ein Suchender und Findender im öffentlichen Raum der Großstadt, ein DJ der Farben und Formen. Die Inspirationen sind nicht zu übersehen: U-Bahn-Stationen, Gebäude mit vielerlei Plakaten und Bemalungen, ja sogar öffentliche Toiletten.

Viele verschiedene Elemente und bunte Farben, oft neon, verwendet der junge Künstler.

Die Kuratorin der Ausstellung Maria Leitmeyer führt die Besucher der Vernissage ein in die Welt des urbanen Wechselspiels dieser situativen Kunst und erklärt die Einordnung dieser Kunstrichtung.

Kuratorin der Ausstellung Maria Leitmeyer

„Recht dekorativ“, „die feine Art des Künstlers kann man in den Werken erkennen“, „frische, fröhliche Farben, könnte sich auch als Gardine gut machen!“ – so einige Anmerkungen der anwesenden Interessierten.

Wer Lust hat, die urbanen Motive anzusehen: Donnerstag bis Sonntag 11-18 Uhr , noch bis 29.07.2018

Wir wünschen Ihnen viel Spaß!

Lektorin: Speyer 24/7 News,ank

18.06.2018


1,2 Millionen Euro für die Kultur - Kulturelle Spielstätten im Rathausensemble werden ertüchtigt

Vorbereitende Arbeiten zur Schaffung eines barrierefreien Zugangs zum Alten Stadtsaal

Speyer/Zimmertheater - Am Zimmertheater in Speyer begannen in dieser Woche die ersten Arbeiten zur Schaffung eines neuen Treppenaufgangs aus dem Gewölbekeller. Nach dem Kulturbeutel-Festival geht der Alte Stadtsaal in die Generalsanierung und auch im Historischen Ratssaal wird in den Sommermonaten nachgebessert, was den Brandschutz sowie die Flucht und-Rettungswege angeht.

Oberbürgermeister Hansjörg Eger hat damit ein ganzes Paket von Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die kulturellen Spielstätten im Rathausensemble den gesetzlichen Forderungen anzupassen und Gefährdungen von Publikum und Akteuren auszuschließen.

„Kultur ist ein Markenzeichen unserer Stadt“, sagt Eger, „und deshalb müssen wir auch dafür sorgen, dass unsere Veranstaltungsräume den aktuellen gesetzlichen Vorgaben entsprechen und die Sicherheit der Besucherinnen und Besucher gewährleistet bleibt“. Dies betrifft in erster Linie bauliche Anpassungen durch geeignete Flucht- und Rettungswege, die Frischluftversorgung der Räume, den vorbeugenden Brandschutz, die Ersatzstromversorgung mit der notwendigen Sicherheitsbeleuchtung, die Schwerentflammbarkeit und nicht Brennbarkeit von Baustoffen und nicht zuletzt die Bemessung der höchstzulässigen Personenanzahl in den Versammlungsräumen.

In den nächsten Monaten wird viel Geld in die Veranstaltungssicherheit und in die Sanierungsmaßnahmen fließen: Mit rund 1,2 Millionen Euro werden die Arbeiten im Alten Stadtsaal zu Buche schlagen, wobei der Löwenanteil dieser Kosten aus einem Investitionsprogramm des Bundes gefördert wird. 20.000 Euro wird die Stadt in die Ertüchtigung des Zimmertheaters stecken. Eine lohnende Investition, so Eger, um das kulturelle Profil der Domstadt weiter zu stärken.

Stadt Speyer

01.06.2018


Sehr groß, sehr kantig, sehr „Kunst“

Eröffnung der Kunsthalle Mannheim nach dreijähriger Bauzeit am Freitag, den 01. Juni 2018.

Von Maria Benita Braun

Mannheim/Kunsthalle - Der monolithische wirkende Bau, der von außen in ein engmaschiges, bronzefarbiges Metallgitter eingehüllt ist, soll der Stadt Mannheim den Anschluss an die internationale und nationale Topliga der Kunstwelt langfristig sichern. Diese Parole gibt Frau Dr. Ulrike Lorenz, die Direktorin der Kunsthalle, nicht ohne Stolz aus.

Der Besucher betritt den großen Bau, lässt den Straßenlärm der Ringstraße um den Wasserturm hinter sich und findet sich sogleich in der zentralen Einheit des neuen Gebäudes wieder. Helles, weißes Licht umfängt ihn.  Ein großzügiges Atrium, das zu allen Seiten Einblicke und Ausblicke zulässt fungiert als Mittelpunkt der neuen Kunsthalle. Die blockartige Architektur gibt die Struktur des Gebäudes vor. Die geraden Linien und vielen gebäudehohen Glasflächen und Dachfenster strahlen Ruhe und Klarheit aus. Um das Atrium gruppieren sich 13 Ausstellungsflächen, Kuben genannt, in denen die einzelnen Abteilungen untergebracht sind. Die sparsame Bestückung der hohen, großen Räume wirkt großzügig und modern.

v.l.: Ehrenbürger Manfred Fuchs, Kulturbürgermeister Grötsch, Museumsleiterin Dr. Lorenz, Kurator Heiko Daniels

Die „Stadt in der Stadt“ soll allen offen stehen, so der Wunsch der Verantwortlichen, eine neuer Typus von Museum soll an den Alltag der Menschen anknüpfen; barrierefreie Zugänge und ein umfassendes digitales Angebot seinen da nur der Anfang, so Dr. Lorenz.

Tatsächlich kann sich jeder in der großen Halle des Museums aufhalten und dort verweilen. Auch die große interaktive Wand, die man berührungslos bedienen kann, darf und soll auch ohne Eintrittskarte benutzt werden. Hier kann man sich die wichtigsten Ausstellungsstücke heranzoomen und erhält Hintergrundinformationen zu Künstler, Geschichte und Standort im Museum. Mit der zugehörigen App kann man sich Bilder seiner Lieblingskunstwerke sogar auf sein Handy laden und so auch mit nach Hause nehmen.

Geplant sei auch eine Art interaktives Spiel fürs Handy, in dem Kinder in Gruppen oder alleine Elemente in oder an Kunstwerken finden und ihren eigenen Avatar kreieren können, erklärt der fürs Digitale verantwortliche Heiko Daniels.  Bereits jetzt könne man sich allerdings von der museumseigenen App durchs Gebäude leiten lassen und sich dabei Hintergrundinformationen auf dem eigenen Handy ansehen und anhören. Den digitalen Museumsführer gibt es auch als Version für Kinder, was einen Museumsbesuch vielleicht für das junge Publikum attraktiver macht.

Langfristig soll die ambitionierte Idee umgesetzt werden, dass Besucher mit Hilfe der App sich ihren eigenen Katalog auf 16 oder 32 Seite zusammenstellen können, beim Verlassen des Museums bezahlen und den Katalog in Buchform gedruckt nach Hause geschickt bekommen.

Zur Eröffnung der Kunsthalle haben die Kuratoren Werke des bekannten Fotokünstlers Jeff Wall – der Name ist hier durchaus Programm- ins Haus geholt. Großformatige, oft hinterleuchtete Fotos von Alltagssituationen, die zufällig wirken, aber vom Künstler teilweise minutiös inszeniert oder auch nachbearbeitet wurden.

Die Ausstellung trägt den Namen „APPEARANCE“ und ist noch bis zum 09. September zu sehen. Ähnlichkeiten mit berühmten Vorbilder aus der Malerei sind da natürlich nicht zufällig, sondern beabsichtigt. Zur Eröffnung der Ausstellung ist der Künstler selbst anwesend und erklärt den Anwesenden, dass er bis heute seine teils riesigen Bilder in einer eigens dafür gebauten Dunkelkammer selbst entwickle, da er mit den Abzügen der Webefotografie, die als einzige derartige Formate herstellen könne, nicht zufrieden gewesen sei.

Die Vielfalt der Kunstwerke, die man in den einzelnen Abteilungen sehen kann, beeindruckt. Teilweise handelt es sich sehr ästhetische Arrangements, teilweise um verstörende Installationen, wie die des südafrikanischen Künstlers William Kentridge. Eine eindringliche, sehr laute Video- und Klanginstallation in einem abgedunkelten Raum, die sich nicht auf den ersten Blick erschließt.

Doch Frau Dr. Lorenz fasst das so zusammen: „Die Kunsthalle versteht sich als Vermittler zwischen dem Besucher und der Fremdartigkeit der Kunst. Die Aufgabe des Museums besteht auch in der Fremdheitsvermittlung, daher ist das Selbstverständnis dieses Museums auch, eine politische Rolle in der Gesellschaft zu spielen.“

Während im Neubau die moderneren Arbeiten ihren Platz gefunden haben, präsentieren sich im wunderschönen Jugendstilbau die Sammlungen des Museums. Hier hat beispielsweise die Graphische Sammlung ihren Platz gefunden und zeigt einige der bedeutendsten Arbeiten des Mannheimer Hofmalers Carl Kuntz in frisch restaurierter Form.

Im Außenbereich im neugestalteten Skulpturengarten wandelt man zwischen den Kunstwerken an (bedingt) frischer Luft und kann danach nach so viel Kunst im neugestalteten Restaurant LUXX direkt am Eingang des Museums mit Blick auf den Wasserturm aus ungewöhnlichen internationalen und  traditionell badischen Spezialitäten auswählen.

Dieses ambitionierte Projekt von einem Budgetvolumen in Höhe von insgesamt 68,3 Millionen Euro konnte nur durch außergewöhnliches privates Engagement des SAP-Mitbegründers Hans-Werner Hector und seiner Frau Josephine Hector im Rahmen von 50 Millionen Euro verwirklicht werden.

Durch eine Stiftung und ein dauerhaftes Engagement von Firmen aus der Region, aber auch  Einzelpersonen soll die Finanzierung sichergestellt bleiben.

Die Kunsthalle Mannheim eröffnet offiziell am Freitag, 01.06. ab 18.00Uhr.

Montags bleibt sie geschlossen, ansonsten ist sie täglich von 10-18 Uhr geöffnet, mittwochs sogar bis 20 Uhr.

Für weitere Infos: www.kuma.art

Besuchertelefon: 0621-2936423

Impressionen aus der Kunsthalle und von der Einweihung:

31.05.2018


Speyer Kult(o)urnacht 2018 wieder ein voller Erfolg

Von Daniel Kemmerich

Speyer - Bei herrlichstem Kaiserwetter haben sich am Freitag, dem 25.05.2018 zwischen 19 und 1 Uhr Nachts wieder zig tausende auf die Straßen Speyers begeben um die Kult(o)urnacht zu feiern.

Natürlich war auch Speyer 24/7 News wieder für euch mit dabei.

31 Kultureinrichtungen öffneten ihre Pforten und Türen für die Besucher. Mit dabei in diesem Jahr erstmalig das Bistum Speyer mit dem Kaisersaal und der Möglichkeit zur Turmbesteigung.

Dies wurde auch überragend gut angenommen und über 2.500 Menschen nutzen an diesem Abend die Gelegenheit hierzu. Das Bistum hat bereits angekündigt auch im nächsten Jahr wieder mit dabei zu sein.

Einige Impressionen der Kult(o)urnacht 2018 sehen Sie in den folgenden Videoclips und dem Fotoalbum, viel Spaß.


Die Trommelgruppe Afabato, aus Speyer, in der Gedächniskirche


360 Grad Rundgang auf dem Altpörtel, Speyer

 

 

Kulturnacht, Sandmalerei in der Sparkasse Vorderpfalz, Speyer mit Künstlerin Frauke Menger


Impressionen der Kult(o)urnacht 2018 in Speyer

Text und Foto: Speyer 24/7 News, dak Video: Speyer 24/7 News, mah

28.05.2018

 

Domturm Anziehungspunkt während Speyerer „Kultu(o)rnacht“

2520 Besucher in Kaisersaal und auf dem Südwestturm – Blick auf Fresken und das nächtliche Speyer wecken spürbare Begeisterung

Speyer - Riesengroß war das Interesse an einem Besuch von Kaisersaal und Südwestturm während der Speyerer Kult(o)urnacht. Die beiden Bereiche im Westbau des Speyerer Doms waren erstmals teil des Programms.

Von Beginn an bildete sich in der Vorhalle des Doms eine lange Schlange, die im Laufe des Abends immer länger werden sollte. Da sich aus Sicherheitsgründen maximal 50 Personen im Turm aufhalten dürfen, musste für den Blick auf das nächtliche Speyer eine Wartezeit von bis zu einer Stunde in Kauf genommen werden.

Von Anfang bis Ende war der Turm maximal gefüllt, so dass von 19 – 24 Uhr 2520 Besucher gezählt werden konnten. Im Kaisersaal hörten die Menschen viertelstündlich einen Vortrag zu der Geschichte des Westbaus und der Domausmalung und bekamen Infos zu den dort ausgestellten monumentalen Fresken.

„Wir freuen uns riesig über das immense Interesse an der Turmbesteigung während der Kult(o)rnacht,“ so Bastian Hoffmann, der Leiter des Dom-Besuchermanagements.

„Es war toll, die Begeisterung der Menschen zu erleben. Unsere Besucher kamen mit viel guter Laune und verließen uns mit bleibenden Eindrücken. Kaisersaal und Südwestturm haben spürbar Erstaunen geweckt. Wir planen auf jeden Fall, im nächsten Jahr wieder dabei zu sein.“

Domkapitel Speyer

28.05.2018


„Wieviel Geld braucht die Kunst? Kulturarbeit unter ökonomischen Druck."

Speyer / Alter Stadtsaal - Unter diesem Titel wird am Montag, den 04.06.18 um 20 Uhr über die ökonomische Basis der Kulturarbeit in Speyer und darüber hinaus diskutiert werden. Der Abend beginnt mit einer Standortbestimmung innerhalb des Diskurses um die Ökonomisierung sozialer und kultureller Lebensbereiche. Im Anschluss an diesen Inputvortrag von Theresa Schnell,  wird mit Kulturschaffenden aus Speyer, sowie mit Vertreter*innen der (Kultur-)Politik  ausgehend von ihrer beruflichen Erfahrung und Praxis diskutiert werden.

Schon seit einiger Zeit kämpft das Kinder - und Jugendtheater ums Überleben. Trotzdem werden die drei festangestellten Kulturschaffenden und die zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer nicht müde unser Speyerer Theaterfestival, den „Kulturbeutel“ auf die Beine zu stellen. Dieses Jahr steht aber nicht nur Theater und Musik auf dem Programm, sondern auch die finanziellen Engpässe des Theaters werden thematisiert. Schon um 18 Uhr lädt das Kinder- und Jugendtheater Team ein die Vernetzung von Schule und Theater neu zu denken. Im Anschluss daran wird sich dann auf das eigentliche Problem des fehlenden Geldes konzentriert. Der Speyerer Theaterverein ist aber nicht alleine mit seinen Sorgen. In ganz Deutschland kämpfen Kulturschaffende um eine solide Finanzierung. Staatliche Förderung von Kulturbetrieben wird in Relation zur wirtschaftlichen Entwicklung kontinuierlich reduziert, nicht zuletzt wegen der hohen Verschuldung der Kommunen.

Theresa Schnell, bildende Künstlerin, hat die Frage nach den ökonomischen Bedingungen der Kulturarbeit über ihre eigene künstlerische Praxis hinaus beschäftigt. Nach ihrer künstlerischen Ausbildung in Dresden studiert sie darum den Master „Ökonomie und Gesellschaftsgestaltung“ an der Cusanus Hochschule in Bernkastel-Kues. Dort beschäftigen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit dem Verhältnis von Wirtschaft und Gesellschaft. Der Prozess der Ökonomisierung ist dabei von zentraler Bedeutung. Er beschreibt die Übertragung ökonomischer Rationalitäten auf Bereiche, die – unter anderem, weil sie keine eindeutig bepreisbaren Produkte herstellen – bisher außerhalb der Marktwirtschaft organisiert waren; So kann etwa der Wert eines Theaterstückes für unsere Gesellschaft, aber auch für den einzelnen Menschen schwerlich als Zahl ausgedrückt werden.

Die Diskussion am Montagabend soll aber nicht mit der Problematisierung enden. Gemeinsame Organisierung, wie beispielsweise in Gewerkschaften und Verbänden, kann eine Art des Widerstands gegen die Marktlogiken sein. Ein konkretes Beispiel künstlerischer Solidarität wird Theresa Schnell in ihrem Vortrag vorstellen. Welche Möglichkeiten die Speyerer Theatermacher*innen und Politiker*innen sehen wird im Anschluss gefragt. Ein Platz in der Runde ist reserviert für die Zuschauerinnen und Zuschauer, die diesmal mehr dürfen als nur gucken. Einmischen ist ganz im Sinne der jungen Speyerer Initiative erwünscht. Es ist schließlich unsere Kultur, um die es am Montagabend im Kulturbeutel gehen wird.

inSPEYERed, Hannah Heller

25.05.2018


Malteser Grabtuchausstellung fasziniert 13500 Besucher

Ausstellung in der Domkrypta ging nach Verlängerung an Christi Himmelfahrt zu Ende

Schwestern des Klosters St. Magdalena Speyer bei einer Führung.

Speyer/Domkrypta -  13500 Menschen unterschiedlicher Nationen und Motivation sind in der Malteser-Ausstellung zum Turiner Grabtuch auf Spurensuche gegangen und haben sich mit der Frage „Wer ist der Mann auf dem Tuch?“ auseinandergesetzt. Es waren Familien und Schulgruppen, Touristen aus Russland oder Asien, Ordensschwestern genauso wie Biker-Gruppen – sie alle hat das meistuntersuchte Textil der Weltgeschichte auf seine ganz eigene Art fasziniert und berührt.

Die Ausstellung unter der Schirmherrschaft von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann und mit freundlicher Unterstützung des Domkapitels war zunächst von Mitte März bis Ende April geplant und wurde dann aufgrund des großen Zuspruchs um zehn Tage bis Christi Himmelfahrt verlängert.

Die Malteser-Ausstellung faszinierte Groß und Klein.

"Ich freue mich, dass die Ausstellung in der Krypta so großes Interesse gefunden hat. Auch die vielen Nachfragen in unserer Dom-Info aus Interesse an einer Vertiefung des Gesehenen, zeugen von der Faszination des Schicksals des Mannes auf dem Tuch. Ein tieferes Sehen im Glauben erkennt im Gekreuzigten den auferstandenen Herrn. Dieser Schritt vom Sehen zum Glauben liegt allein bei der Betrachterin, beim Betrachter. Ich wünsche mir, dass viele Menschen angesichts der Ausstellung diesen Schritt vom Sehen zum Glauben getan haben oder ihren Glauben vertiefen konnten“ sagte Weihbischof und Dompropst Otto Georgens.

„Mit der Fasten- und Osterzeit hätte es im Jahr kaum eine bessere Zeit für die Ausstellung „Wer ist der Mann auf dem Tuch?“ in der Krypta unseres Speyerer Domes geben können.

Es ist schön, dass die Ausstellung auf ein so reges Interesse gestoßen ist. Beeindruckt haben mich vor allem die Zeugnisse, die die Besucher in dem ausliegenden Büchlein hinterlassen haben. Sie zeugen davon, wie sie das Schicksal des Mannes auf dem Tuch bewegt und zum Teil auch näher an die Person Jesus von Nazareth herangeführt hat“ fügt Schirmherr Bischof Wiesemann hinzu.

Dirk Wachsmann, Diözesangeschäftsführer der Malteser resümiert dankbar: „Nachdem wir die Zusage vom Domkapitel erhalten hatten, die Ausstellung in der Krypta zu präsentieren, waren wir zuversichtlich viele Menschen im Bistum ansprechen zu können. Dass wir letztendlich eine so große Anzahl und Vielfalt von interessierten Besuchern erreichen konnten, war nicht abzusehen und freut uns sehr. Ein großer Dank geht an alle Mithelfer, die sich ehrenamtlich als Aufsicht oder Ausstellungsführer für das Projekt engagiert haben. Ohne sie wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen.“ Über 435 Stunden wurden durch die Malteser seit Anfang März ehrenamtlich im Rahmen der Ausstellung geleistet.

Die Ausstellung zeigte unter anderem eine originalgetreue Kopie des Turiner Grabtuchs sowie einen Korpus, der nach einer 3D-Betrachtung der Tuchabdrücke gefertigt wurde.

Weitere Informationen erhalten Sie unter www.malteser-turinergrabtuch.de und www.malteser-speyer.de

Sehen Sie hier das Video zur Ausstellungseröffnung:

Text und Foto: Malteser Speyer Video: Speyer 24/7 News, mah

22.05.2018


Kultur ist für alle da - OB Eger setzt sich für Kulturpass ein

Speyer - Nach den positiven Erfahrungen mit den Speyerer Picknickkonzerten, die im Sommer 2018 zum dritten Mal in Speyerer Parkanlagen ohne Eintritt und mit viel Zuspruch über die Bühne gehen werden, will Oberbürgermeister Hansjörg Eger ein weiteres Projekt zur kulturellen Teilhabe ins Leben rufen. Bald soll es auch in der Domstadt einen „Kulturpass“ geben.  Damit können Menschen mit geringem Einkommen kostenlos Kulturveranstaltungen besuchen. Deren Teilhabe am kulturellen und gesellschaftlichen Leben soll mit einem „Kulturpass“ gefördert werden.

Bevor bei Konzertveranstaltungen und im Theater Plätze frei bleiben, können diese Karten auch anderweitig vergeben werden, so der Oberbürgermeister. „Ich möchte mit einem Kulturpass erreichen, dass Menschen mit wenig Geld in den Genuss von kulturellen Darbietungen kommen“, sagt Eger, auch in seiner Funktion als Kulturdezernent.

"Stuttgarter Saloniker" bei den Picknickkonzerten 2017

Mehrere Modelle kämen dafür in Betracht: In der Metropolregion Rhein-Neckar sei bereits der Verein „Kulturparkett Rhein-Neckar“ aktiv, dem man sich anschließen könne. Andere Städte in Rheinland-Pfalz wie Koblenz oder Kaiserslautern würden mit der bundesweiten Aktion „Kulturloge“ zusammenarbeiten. „Kultur darf kein Luxus sein. Kultur ist für alle da.“ – Das ist das Motto des Vereins „Kulturparkett Rhein-Neckar“. Seit 2013 engagiert sich der Verein gegen die Ausgrenzung von Menschen mit geringem Einkommen aus dem Kulturleben. Gestartet ist er in Mannheim, mittlerweile ist er auch in Heidelberg, Schwetzingen und Ludwigshafen aktiv. Das Kulturparkett ist ein professioneller Träger, der mit den Sozialbehörden zusammenarbeitet.

Eine Alternative zum Kulturparkett wäre die sog. „Kulturloge“, die die Auszeichnung des Bundesverbandes für Bürgerschaftspreise erhalten hat. Die Kulturloge etabliert sich als Verein und arbeitet mit vielen verschiedenen Partnern auf lokaler Ebene zusammen. Ein Vorteil der Kulturloge ist, dass sie ehrenamtlich tätig ist.

Eger will beide Modelle im nächsten Kulturausschuss vorstellen und danach auch für Speyerer Bürgerinnen und Bürger mit geringem Einkommen einen Kulturpass einführen und damit kulturelle Teilhabe ermöglichen.

Text: Stadt Speyer Foto: Speyer 24/7 News, dak

22.05.2018


"Reinig, Braun + Böhm: Von Folk bis Kammerblues" - ein musikalischer pfälzer Abend

Paul Reinig, Peter Braun, Rüdiger Böhm

Speyer - Reinig, Braun + Böhm traten zum zweiten Mal im Rahmen der Reihe „Kultur im Fachkraftwerk auf. Die drei Musiker spielten ein unterhaltsames, abwechslungsreiches Repertoire mit Tiefgang. Im Programm hatten sie vergrabene Kostbarkeiten aus alter Zeit, Gedichtvertonungen, traditionelle Lieder und Tänze aus der Pfalz sowie einige Neuinterpretationen von Songs deutscher Liedermacher. Ihre Musik verbindet Folk, Chanson, Blues und „Pfälzer Rock’n Roll“ mit kammermusikalischen Elementen, kurzum es war ein unterhaltsames, abwechslungsreiches Konzert.

Vielfältig war nicht nur die Liedauswahl, auch das Instrumentarium entsprach dem. So spielte Paul Reinig diatonisches Knopfakkordeon, Gitarre und Irish Bouzouki, Peter Braun Gitarre sowie Rüdiger Böhm Klavier, Blockflöten, Krummhorn. Im Laufe des Konzerts nahmen die Musiker ihre Zuhörer auf eine musikalische Reise durch die Pfalz. Neben einigen traditionellen Tänzen gab es Lieder zum Thema Wein („Uf'm Woifeschd“, „De Hoddedrächer“) oder Jahreszeitliches („Lehmklumpe-Blues“, „E neies Friehjohr kummt ins Land“). Nicht fehlen durfte „Verzehl ma nix“, ein Lied das gut zum Anspruch von Reinig, Braun + Böhm passt, des Volkes Musik jenseits aller Klischees oder Volkstümeleien zu spielen.

Erstmals griffen die Musiker auf eine weitere ihrer Wurzeln zurück, deutschsprachige Liedermacher, geprägt aus der „Burg Waldeck Zeit“. Damit hielten hochdeutsche texte Einzug ins Repertoire. An diesem Abend spielten sie u. a. Lieder von Georg Danzer oder Philip Poisel. Auch ein Ausflug ins benachbarte Elsaß durfte nicht fehlten. Mit dem „Hans im Schnoogeloch“ warf man einen Blick in unsere Nachbarschaft. Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass die Zuhörer einen gelungenen musikalischen pfälzer Abend erlebten.

CoLab gemeinnützige GmbH, Andreas Scherer

08.05.2018


Zwei Jahrhunderte Chorgesang

Mozartchor Speyer feiert in diesem Jahr ein ungewöhnliches Jubiläum

Den Sack zugemacht hat der Vorstand des Mozartchors Speyer Ende Dezember letzten Jahres: Drei Konzerte und ein Festakt sind die Eckpunkte des Jubiläumsjahres 2018, in dem der Mozartchor seinen 200. Geburtstag feiert. Kaum eine musikalische Vereinigung im weiten Umkreis dürfte auf eine so lange Tradition zurückblicken können. Den Komponisten Mozart führt der Chor zwar erst seit 1946 im Namen, sein künstlerisches Wirken und seine organisatorische Kontinuität aber reichen zurück bis zur Gründung des Musikvereins Speyer am 9. November 1818.

Vorstandsmitglied Ulrich Schalck hat für eine Jubiläums-Publikation im Herbst den Etappen der Chorgeschichte nachgespürt. „Allein, dass der Chor im Lauf der Zeit sieben verschiedene Namen geführt hat, zeugt von der wechselvollen Geschichte des Vereins“, resümiert er. Von „Musikverein“ über „Cäcilienverein“ und „Liedertafel“ bis „Mozartchor“ spannt sich der Bogen, unterbrochen von der Gleichschaltung im „Deutschen Musikverein“ der NS-Zeit. Zweimal hat der Chor auch einen Doppelnamen geführt: „Liedertafel-Cäcilienverein“ im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts und „Mozartchor/Capella Spirensis“ in den 80er und 90er Jahren.

Das Jahresprogramm beginnt, wie immer in den letzten Jahren, an Mozarts Geburtstag am 27. Januar. Im Unterschied zur sonst üblichen intimen Feierstunde unter dem Titel „Happy birthday, Amadeus!“ lädt der Mozartchor dieses Jahr zu einem „richtigen“ Konzert gemeinsam mit dem Speyerer Kammerorchester in die Kirche St. Bernhard. Zu hören gibt es Chor- und Instrumentalwerke von Wolfgang Amadeus Mozart und John Rutter. Eintrittskarten zu diesem Konzert gibt es bereits bei allen Reservix-Vorverkaufsstellen und in Speyer bei der Buchhandlung Oelbermann.

Zweite musikalische Station des Jahres ist eine sommerliche Serenade in der Gotischen Kapelle des Speyerer Adenauerparks am 24. Juni. Wie schon im Januar 2016 wird dabei neben der großen Chorbesetzung auch wieder der junge Chor mitwirken, der sich zum Teil aus ehemaligen Schülerinnen von Dirigent Dieter Hauß zusammensetzt.

Die eigentlichen Feierlichkeiten schließlich folgen im Spätjahr, in zeitlicher Nähe zum Gründungsdatum 9. November. Im Zentrum steht dabei das Jubiläumskonzert am 3. November in der Dreifaltigkeitskirche. Zusammen mit der Kammerphilharmonie Mannheim führt der Chor das Deutsche Requiem von Johannes Brahms und die unvollendete h-Moll-Sinfonie von Franz Schubert auf.

Bereits eine Woche vorher, am 28. Oktober lädt der Mozartchor zu einem Festakt in die Speyerer Stadthalle. Mitglieder, Freunde und Förderer des Chors sollen geladen werden, dazu offizielle Personen des politischen und öffentlichen Lebens. „Auch wenn am genauen Programm noch gefeilt wird“, so Presseverantwortlicher Christian Huber, „steht doch eines fest: Die musikalische Gestaltung übernimmt auf jeden Fall der Chor selbst.“

Mozartchor Speyer e. V.

09.01.2018


3.190,- EUR gehen 2017 an verschiedene Einrichtungen in und um Speyer

Nachtwächter übergibt traditionelle Jahresspende

Dank der Erlöse aus den Vollmondgängen und anderen Aktionen beträgt die diesjährigen Spendensumme 3.190 Euro.

Speyer - Alle Jahre wieder nutzt der Nachtwächter seinen letzten öffentlichen Rundgang im Jahreslauf auch dafür, um seine traditionelle Nachtwächter-Spende an verschiedene soziale und karitative Einrichtungen und Projekte zu übergeben.

Bereits zum 15. Mal fand nun am Brezelbrunnen auf dem Königsplatz die symbolische Spendenübergabe statt. Der “wohlleibliche Herre Nachtrath” Otmar Geiger zeigte sich darüber erfreut, dass auch in diesem Jahr wieder ein "ordentlicher" Spendenbetrag zusammengekommen sei. "Dies ist aber nur dank der Unterstützung all der Menschen möglich, die 2017 an den Nachtwächterrundgängen in Speyer teilgenommen haben”, gab er den Beifall der bereits auf den Rauhnachtgang "zwischen den Jahren" wartenden Besucher aus der ganzen badisch-pfälzischen Region zurück.

Der “wohlleibliche Herre Nachtrath” Otmar Geiger gemeinsam mit einer Gruppe beim Vollmondrundgang

Dank der Erlöse aus den Vollmondgängen und anderen Aktionen beträgt die diesjährigen Spendensumme 3.190 Euro. Damit beläuft sich der Gesamtbetrag der Jahresspenden seit 2003 inzwischen auf 38.787,50 Euro. Da es ihm und seiner Familie, so Geiger, aus eigener Erfahrung immer wieder ein Herzensanliegen sei, kinder- und jugendfördernde Maßnahmen zu unterstützen, werden neben dem Förderverein Kindernotarztwagen Speyer auch in diesem Jahr wieder verschiedene Projekte und kleinere Aktionen in und um Speyer mit Förderbeiträgen bedacht.

Der Nachtwächter bedankte sich zugleich bei allen Medien in Speyer, der Pfalz und im Badischen für die in 2017 gewährte Unterstützung. Dank deren Terminhinweise seien viele Menschen nach Speyer gekommen, um den Nachtwächter bei einem seiner historischen Wachgänge zu begleiten. Der nächste Rundgang mit dem "wohlleiblichen Herre Nachtrath" ist der traditionelle Neujahrsruf, der am 2. Januar durch eine Vollmondnacht führt und um 19.00 Uhr am Brunnen auf dem Königsplatz beginnt.

Weitere Termine und Informationen unter www.erlebnis-speyer.de und natürlich bei Speyer 24/7 News.

Text: Nachtwächterei & Pilgerstube Speyer, Ottmar Geiger Foto: Alex

28.12.2017


Ende der Rede von Bundespräsident Frank Walter Steinmeier zur Übergabe der Kunsthalle Mannheim


SWR4 Sommertour macht Halt in Speyer

von Daniel Kemmerich

Speyer - Genießen Sie den Sommer daheim? Dann kommen wir zu Ihnen und bringen die Musik einfach mit! An sechs Orten in Rheinland-Pfalz stehen junge Künstler wie Kerstin Ott, Julian David und viele andere auf der SWR4 Bühne.

Feiern Sie den Sommer mit der besten deutschen Musik!

Die Gelegenheit hierzuu bekamen die Speyerer am Donenrstag, dem 17.08.2017 auf dem Marktplatz gegenüber des historischen Rathauses Speyer. Kerstin Ott bot in 2 Sessions viele bekannte aber auch neue Hits und war den Bürgern stets nahe. Nicht nur auf der Bühne sondern auch in der, wohlverdienten Pause, war Sie für ihre kleinen und großen Fans da. Sie stand Rede und Antwort und war auch für die vielen "Selfie"wünsche der Fans offen.

Ein sehr schönes Event von SWR 4 welches die kleine Bühne aufgebaut und das Event organisiert hatte. Drum herum gab es ebenfalls vieles das geboten wurde, über Glücksradaktion fürden guten Zweck bis hin zu Informationen Rund ums Programm vom SWR gab es vieles zu sehen und zum mitmachen.

Jeder der dort war war absolut begeistert und es bleibt zu hoffen das wir bald wieder das Glück haben ein, solch spontanes, Konzert in Speyer erleben zu dürfen.

Sehen Sie hier das Fotoalbum zum Auftritt von Kerstin Ott:

Lesung von "Elwenfels2"

Sehen Sie hier eine Videoimpression von Markus Hild zur Lesung:



Picknickkonzert mit den Stuttgarter Saloniker großer Erfolg

Das Picknickkonzert das letzten Sonntag stattfand erfreute sich großem Interesse.

Sehen Sie hier das Fotoalbum zur Veranstaltung:


Sehen Sie hier eine Videoimpression zum Konzert:

Foto: dak Video: mah


Neuer Sonderstempel in Speyer

Helmut Kohl – Trauerakt im Europaparlament

(hs) Zwei neue Sonderstempel würdigen Altkanzler Helmut Kohl, den Kanzler der Einheit, der am 01.07.2017 in Speyer beigesetzt wurde. Die Deutsche Post gedenkt mit einem Sonderstempel in Speyer  

Trauerakt im / Europaparlament / Helmut Kohl / * 1930 † 2017.

Zeitnah kam auch in Ludwigshafen ein weiterer Sonderstempel  „Abschied von Helmut Kohl“ zur Ausgabe.

Landesverband Südwestdeutscher Briefmarkensammlervereine Detlev Moratz (links im Bild), Harald Janssen vom BSV Speyer (rechts)

Das „Erlebnis: Briefmarken“- Team Pforzheim war am 21.07.2017 im Postbank-Finanzcenter Speyer, Wormser Str., 67346 Speyer vor Ort und führte diesen Stempel mit. 

Zusätzlich wurde für die Präsentation ein vom Erlebnis-Briefmarkenteam besonderer Briefumschlag mit der am 11. Oktober 2012 verausgabten  Briefmarke zu 55 Cent für Helmut Kohl und den zwei Sätzen "Kanzler der Einheit" und "Ehrenbürger Europas" aufgelegt, der nur vor Ort erhältlich war.  Helmut Kohl war der zweite und bislang letzte Ehrenbürger Europas. Der erste Ehrenbürger war Jean Monnet (1888-1979), der als "Vater Europas" gilt. Ihm wurde ebenfalls zu Lebzeiten- eine Briefmarke der damaligen Deutschen Bundespost gewidmet.

Zeitgleich hatte der Briefmarkensammlerverein Speyer einen Präsentationsstand in der Postgalerie Speyer aufgebaut und die beiden Belege mit dem Speyerer und Ludwigshafener Sonderstempel angeboten.  Es wurden  an  diesem Stand auch ältere Belege mit Briefmarken und Sonderstempeln von Speyer angeboten. Bereits um 15:00 Uhr waren die Belege vergriffen, so die Information des 1. BSV-Vorsitzenden Harald Janssen. 

Wegen der verspäteten Ankündigung wird die Stempelfrist bis 14.08.2017 für Interessenten in ganz Deutschland verlängert berichtet Janssen. Die Adresse für schriftliche Stempelaufträge lautet: Deutsche Post AG, Niederlassung Sonderstempelstelle 92627 Weiden


Nicht jeder kommt am Wächter der Brücke des Todes vorbei

Kinder und Jugendliche präsentieren Ergebnisse ihrer einwöchigen Theaterfreizeit

Die Theaterfreizeit des Kinder- und Jugendtheaters Speyer hat am Samstag (15.07.2017) die Ergebnisse ihrer einwöchigen Beschäftigung mit den Darstellungsformen des Theaters präsentiert. Die Show war eine lockere Abfolge von Szenen.

Mit dem Eröffnungssong "Wir sind happy to bring our show to you" begann die eineinhalbstündige Vorführung, die von zahlreichen Eltern, Großeltern und Freunden der Kinder verfolgt wurde. Besonders beeindruckend waren jene Szenen, die ohne Worte auskamen und wo sich der Zuhörer die Geschichte aus den Gesten der Schauspieler imaginieren musste. Lustig waren die Sketche, die die Show auflockerten. Einer der Betreuer erzählte etwas und ständig kam einer der Schüler zu ihm, um ein Kleidungsstück von ihm zu erbeten, was er dann auch ausziehen musste. Am Ende stand er dann nur noch in der Unterhose und Socken dar, und als die letzte Hose auch noch jemand beanspruchte, suchte der Betreuer dann schliesslich das Weite.

In einer anderen Szene bekommt ein Junge eine Stelle nachdem er auf einem Amt drei Fragen richtig beantwortet hat. Er verrät einem anderen Arbeitslosen die Antworten, worauf dieser selbstbewusst zum Amt geht. Er gibt genau die Antworten, die ihm der Junge mitgeteilt hat, aber weil die Fragen nicht dieselben sind wie vorher, verheddert sich der Arbeitslose und gibt ausschliesslich falsche Antworten. Um einstudierte Antworten geht es auch in der Disco-Szene, die beweist, dass auswendig gelernte Sprüche bei gleichzeitigem Ausbleiben von Charme kein Erfolgserlebnis beim Kennenlernen von Frauen nach sich zieht.

Auch der Deutschkurs für türkische Migranten ist skurril. Den Immigranten wird kein Deutsch, wie man es in der Schule lernt, beigebracht, sondern ein Deutsch, das sich anhört, wie wenn türkische Jugendliche sich umgangssprachlich unterhalten. Zwischendurch gibt es immer wieder Szenen aus "Warten auf Godot" von Samuel Beckett, einem der populärsten Stücke auf deutschen Bühnen. Sehr komisch ist auch jene Szene, in der fünf Kinder in die Rolle von Rittern schlüpfen. Das erinnert doch sehr stark an Monthy Phython. Der erste Ritter wird gefragt, wie sein Name ist, was seine Lieblingsfarbe ist und wo er hin wolle. Der Gefragte antwortete, er sei Sir Lancelot, seine Lieblingsfarbe sei blau und er sei auf der Suche nach dem Heiligen Gral. Er darf die Brücke passideren. Der zweite und dritte Ritter scheitern an der Brücke des Todes, weil sie entweder eine Farbe falsch benennen oder nicht wissen, was die Hauptstadt von Assyrien ist.

Zuletzt kommt König Artus. Als es darum geht, die letzte Frage richtig zu beantworten, stellt er eine Rückfrage, wo sich der Wächter der Brücke des Todes zwischen einer europäischen und afrikanischen Schwalbe entscheiden muss. Der Wächter zögert und kommt nun aufgrund seiner Inkompetenz selber ums Leben. Diese Szene wird mit so viel trockenem Humor gespielt, so dass man glaubt, sie sei - wie bereits erwähnt - einem Film der legendären britischen Komikertruppe entnommen. Wunderbar.

Die Filmindustrie wird auch aufs Korn genommen. Mehrmals muss ein Schauspielteam eine Szene wiederholen. Entweder die Schauspieler sind zu unmotiviert, zu hastig oder zu prollig. Der Regisseur ist ein arroganter Typ, der seine Schauspieler immer wieder anzustacheln versucht. Diese Szene erinnert an Loriots "Klavier-Sketch", der auch mehrmals wiederholt werden muss, weil immer irgendetwas nicht passt. Die Pointe der Jugendlichen in Speyer ist, dass der Kameramann am Ende zugeben muss, dass er vergessen hat, eine Speicherkarte in die Kamera zu tun. Schreiend läuft die Truppe davon.

Die 67 Kinder im Alter von sechs bis vierzehn Jahren konnten in der Woche maximal drei Workshops belegen. Sie beschäftigten sich mit "Schauspiel", "Tanz", "Pantomime", "Sketche"  und "Maskentheater". "Sinn  der Theaterfreizeit war es auch, dass einige Jugendliche mithilfe des Cajons ein Gefühl für Rhythmus bekommen", sagt Ricardo Espinosa.

Nächstes Jahr findet die Familienfreizeit am Meer statt. 25 Familien können daran teilnehmen. Die Theaterfreizeit für Kinder im Alter von sieben bis vierzehnfindet dann täglich von 10 bis 17 Uhr statt. Kevin Herbertz wird ein Musiktheaterstück schreiben, welches mit den Kindern einstudiert wird. Als Dozenten wirken neben ihm auch Ricardo Espinosa und Britta Hoffmann mit. Während die Kinder in der Theaterfreizeit sind, können ihre Eltern entspannen. Geplant sind auch ein Barbecue, Elterntanzkurse mit Ricardo in den Abendstunden und Spiel und Spaß. In der Theaterfreizeit sind auch zwei freie Tage enthalten. Zur Zeit arbeitet das Reisebüro an der idealen Reisemöglichkeit für die Workshopleiter und die Kinder und Jugendlichen der Theaterfreizeit. Wer teilnehmen will, wendet sich an Nicole Schneider (E-Mail info@theater-speyer.de, Tel. 06232-2890750 (Auch in den Theaterfreien wird der Anrufbeantworter abgehört)).

Sehen Sie hier das Video zur Veranstaltung von unserem Mitarbeiter Markus Hild:

Video: Speyer 24/7 News, mah