Speyer 24 / 7 News

 

Nachdem der Mord an einer 15 jährigen in Kandel weitere Fragen aufwirf haben wir uns entschlossen ALLE Meldungen in einer eigenen Rubrik zusammenzufassen.



(Staatsanwaltschaft Landau in der Pfalz) - Tötungsdelikt in Kandel

Folgemitteilung zur Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Landau vom 16.01.2018 sowie zu den Gemeinsamen Pressemitteilungen der Staatsanwaltschaft Landau und des Polizeipräsidiums Rheinpfalz vom 27.12.2017, 28.12.2017 und 03.01.2018

Kandel/Landau - Die Staatsanwaltschaft Landau hat – wie in der Pressemeldung vom 16.01.2018 mitgeteilt – ein medizinisches Gutachten zur Altersbestimmung des Beschuldigten in Auftrag gegeben. Die Einholung des Gutachtens war erforderlich, da keine hinreichend gesicherten Erkenntnisse zum tatsächlichen Alter des Beschuldigten vorlagen. Dieser war nach seinen eigenen Angaben bei seiner Einreise nach Deutschland nicht im Besitz eines Ausweispapiers und hatte sein Geburtsdatum mit 01.01.2002 angegeben.

Inzwischen liegt das Gutachten zur Altersschätzung des Beschuldigten vor. Der Sachverständige kommt in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass bei dem Beschuldigten von einem wahrscheinlichsten Lebensalter von ca. 20 Jahren auszugehen sei. Das absolute Mindestalter des Beschuldigten bestimmt der Sachverständige derzeit auf 17 ½ Jahre. Die durchgeführten medizinischen Untersuchungen zur Erstellung des Gutachtens umfassten neben der körperlichen Untersuchung auch röntgenologische Untersuchungen der Hand, des Gebisses und der Schlüsselbeine.

Nach dem Ergebnis des Sachverständigengutachtens ist demnach derzeit nicht davon auszugehen, dass der Beschuldigte das 21. Lebensjahr bereits vollendet hat und mithin zur Tatzeit Erwachsener im strafrechtlichen Sinn war. Das Gutachten legt nahe, dass es sich bei dem Beschuldigten um einen Heranwachsenden (Person zwischen 18 und 20 Jahren) handelt.

Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Neben der Vernehmung von Zeugen dauert insbesondere die Auswertung der bei dem Beschuldigten sichergestellten Mobiltelefone an.

Der Beschuldigte, der nach wie vor von seinem Schweigerecht Gebrauch macht, befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft.

Rechtliche Hinweise:

Nach dem Jugendgerichtsgesetz ist Jugendlicher, wer zur Zeit der Tat 14, aber noch nicht 18 Jahre alt ist. Heranwachsender ist, wer zur Tatzeit 18, aber noch nicht 21 Jahre alt ist.

Handelt es sich bei dem Täter um einen Jugendlichen, kommt das Jugendstrafrecht zur Anwendung, bei dem die Strafrahmen des allgemeinen Strafrechts nicht gelten. Nach dem Jugendstrafrecht kann bei bestimmten Verbrechen, auch bei einem Mord, eine Jugendstrafe von bis zu 10 Jahren verhängt werden.

Handelt es sich bei dem Täter um einen Heranwachsenden gilt folgendes:

Steht der Heranwachsende in seiner sittlichen und geistigen Entwicklung zur Tatzeit noch einem Jugendlichen gleich, kommt Jugendstrafrecht zur Anwendung, wonach das Höchstmaß der Jugendstrafe 10 Jahre beträgt. Handelt es sich bei der Tat um Mord und reicht eine Jugendstrafe von 10 Jahren wegen der besonderen Schwere der Schuld nicht aus, so beträgt das Höchstmaß 15 Jahre.

Steht der Heranwachsende nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung nicht mehr einem Jugendlichen gleich, kommt das allgemeine Strafrecht zur Anwendung, das bei einem Mord nach dem Strafgesetzbuch eine lebenslange Freiheitsstrafe vorsieht.

Anklagen sowohl gegen Jugendliche als auch gegen Heranwachsende sind zu den Jugendgerichten – bei einem Mord zur Jugendkammer – zu erheben.

Leitende Oberstaatsanwältin Möhlig

Staatsanwaltschaft Landau

22.02.2018


Folgemitteilung zu den Gemeinsamen Pressemitteilungen der Staatsanwaltschaft Landau und des Polizeipräsidiums Rheinpfalz vom 27.12.2017, 28.12.2017 und 03.01.2018 sowie der Pressekonferenz vom 28.12.2017

Kandel/Landau - Nach den bisher durchgeführten Ermittlungen ist davon auszugehen, dass sich das 15jährige Mädchen am Nachmittag des 27.12.2017 zusammen mit zwei Jugendlichen nach Kandel begeben hat und dort – kurz vor der Tat - dem Beschuldigten am Bahnhof begegnete. Der Beschuldigte soll dem Mädchen gefolgt sein, das zunächst zusammen mit ihren beiden Begleitern einen in der Nähe des späteren Tatorts gelegenen Supermarkt aufsuchte. Nach den bisherigen Erkenntnissen soll sich auch der Beschuldigte in den Supermarkt begeben und dort das mutmaßliche Tatmesser erworben haben. Es ist weiterhin nach den bisher geführten Ermittlungen davon auszugehen, dass der Beschuldigte dem Mädchen sodann in den Drogeriemarkt folgte, dort gezielt auf es zuging und unvermittelt mehrfach auf sein Opfer einstach. Soweit unmittelbar nach der Tat im Raum stand, dass der Tat ein Streit vorausgegangen sein könnte, hat sich dies bisher nicht bestätigt. Nach der derzeitigen Sachlage ist vielmehr davon auszugehen, dass das Opfer sich keines Angriffs versah und dieser überraschend erfolgte.

Aufgrund der nun vorliegenden Erkenntnisse geht die Staatsanwaltschaft von einer heimtückischen Begehungsweise aus und bewertet die Tat als Mord.

Die Ermittlungen, auch zum Motiv sowie zu den Hintergründen der Tat und dazu, ob weitere Mordmerkmale verwirklicht sind, insbesondere ob niedrige Beweggründe vorliegen, dauern weiterhin an.

Die Staatsanwaltschaft Landau hat zudem – wie bereits in einer früheren Pressemitteilung angekündigt – ein Gutachten zur Bestimmung des Alters des Beschuldigten in Auftrag gegeben. Mit dem Eingang des Gutachtens ist in einigen Wochen zu rechnen.

Hintergrundinformation zur Abgrenzung zwischen Mord und Totschlag:

Grundsätzlich fällt die vorsätzliche Tötung eines Menschen unter den Straftatbestand des Totschlags (§ 212 des Strafgesetzbuches).

Liegen besondere zusätzliche Merkmale vor, wird die Tat als Mord (§ 211 des Strafgesetzbuches) eingeordnet. Die Mordmerkmale sind ausdrücklich im Gesetz festgelegt und lauten

  • Mordlust
  • Befriedigung des Geschlechtstriebs
  • Habgier
  • Niedrige Beweggründe
  • Heimtücke
  • Grausamkeit
  • Gemeingefährliche Mittel
  • Ermöglichung oder Verdeckung einer anderen Straftat

Möhlig, Leitende Oberstaatsanwältin
Staatsanwaltschaft Landau-Pfalz

22.01.2018


Trauerfeier in Kandel - Landesregierung wünscht den Angehörigen „Trost in dieser schweren Zeit“

Kandel/Mainz - „Unsere Gedanken und unser tief empfundenes Mitgefühl sind mit den Eltern, der Familie und den Freunden des getöteten Mädchens. Die 15-Jährige wurde gewaltsam aus dem Leben gerissen. Es gibt keine Worte, um zu beschreiben, welche Wunden und welchen Schmerz der Tod der geliebten Tochter hinterlässt. Wir wünschen den Angehörigen Trost und Kraft in dieser schweren Zeit“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer anlässlich der Trauerfeier der getöteten Schülerin aus Kandel. Ihre Solidarität gelte auch dem Bürgermeister und den Flüchtlingshelfern vor Ort, die derzeit unglaublichen Anfeindungen ausgesetzt seien. Die Ministerpräsidentin konnte nicht persönlich an der Trauerfeier teilnehmen.

Für die Landesregierung waren der stellvertretende Ministerpräsident Dr. Volker Wissing, Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler sowie die Integrationsstaatssekretärin Dr. Christiane Rohleder anwesend „Wenn ein junger Mensch, der noch sein ganzes Leben vor sich hat, getötet  wird, lässt dies das gesamte Umfeld mit Schmerz, Trauer und Ratlosigkeit zurück. Die Menschen hier zeigen, wie sehr sie einander in schweren Zeiten beistehen“, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Volker Wissing. Er betonte erneut, wenn ein Mensch inmitten von Menschen, am helllichten Tag getötet werde, könne man das nicht einfach hinnehmen. Es müssten Fragen gestellt und beantwortet  werden.

„Die Tat muss aufgeklärt und der Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Auch wenn der Verlust eines geliebten Menschen niemals wieder gut zu machen ist: Unser demokratischer Rechtsstaat steht dafür, dass dem Opfer und seinen Angehörigen Gerechtigkeit widerfahren wird“, sagten Wissing und Bätzing-Lichtenthäler.

Staatskanzlei Rheinland-Pfalz

22.01.2018


Gemeinsame Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Landau und des Polizeipräsidiums Rheinpfalz:

(Ludwigshafen/Kandel) - Tötungsdelikt in Kandel

Folgemitteilung zu den Gemeinsamen Pressemitteilungen der Staatsanwaltschaft Landau und des Polizeipräsidiums Rheinpfalz vom 27.12. und 28.12.2017 sowie der Pressekonferenz vom 28.12.2017

Nach den bisherigen Erkenntnissen hat der Beschuldigte vor seiner Flucht mutmaßlich in der Provinz Kabul/Afghanistan gelebt und kam als unbegleiteter minderjähriger Ausländer im April 2016 nach Deutschland. Im Mai 2016 wurde er in den Bereich der Kreisverwaltung Germersheim zugewiesen. Zum ausländerrechtlichen Status ist den Ermittlungsbehörden bisher bekannt, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge den von dem Beschuldigten gestellten Asylantrag im Februar 2017 abgelehnt und das Vorliegen eines Abschiebungsverbots nach § 60 Abs. 5 des Aufenthaltsgesetzes festgestellt hat. Der Beschuldigte war nach seinen eigenen Angaben bei seiner Einreise nach Deutschland nicht im Besitz eines Ausweispapiers und hat sein Geburtsdatum mit 01.01.2002 angegeben. Da bislang keine hinreichend gesicherten Erkenntnisse zum tatsächlichen Alter des Beschuldigten vorliegen, wird die Staatsanwaltschaft Landau ein medizinisches Gutachten zur Bestimmung des Alters des Beschuldigten in Auftrag geben.

Das mittlerweile vorliegende vorläufige Obduktionsergebnis ergab, dass das Mädchen durch mehrere Messerstiche verletzt wurde und ein Stich im Bereich des Herzens tödlich war. Die Ermittlungen zu dem Motiv, den Hintergründen sowie dem konkreten Tatgeschehen dauern an. Der in Untersuchungshaft befindliche Beschuldigte hat sich auch weiterhin nicht eingelassen und macht von seinem Schweigerecht Gebrauch. Zwischenzeitlich hat die Zentrale Kriminalinspektion Ludwigshafen aufgrund eines von der Staatsanwaltschaft Landau erwirkten Durchsuchungsbeschlusses den Wohnraum des Beschuldigten in Neustadt/Weinstraße durchsucht. Die dabei sichergestellten Beweismittel, unter anderem zwei Mobiltelefone und diverse Unterlagen, werden nun gesichtet und ausgewertet. Daneben konzentrieren sich derzeit die Ermittlungen insbesondere auf die Vernehmungen von Zeugen sowie die kriminaltechnischen Untersuchungen.

Über den Fortgang der Ermittlungen werden wir weiter berichten.

Polizeipräsidium Rheinpfalz

03.01.2018


(Ludwigshafen/Kandel) - Tod einer 15-jährigen in Kandel nach einem Messerangriff Medieninformation der Kreisverwaltung Germersheim vom 02.01.2018

Die Kreisverwaltung Germersheim hat am 02.01.2018 die Medien davon unterrichtet, dass der Vormund des Beschuldigten von der Polizei zwar über die Erstattung von Strafanzeigen, nicht jedoch über eine direkte Bedrohung des Mädchens informiert gewesen sei. Auch die Fall führende Sachbearbeiterin des Jugendamtes hätte davon keine Kenntnis gehabt. Gleiches gelte für die Betreuerinnen des Beschuldigten in der Jugend-Wohngruppe in Neustadt.

Die Polizei bekräftigt ihre Darstellung, dass die beteiligten Stellen umfassend über die ihr vorliegenden Erkenntnisse und Maßnahmen informiert wurden. Zunächst hat der polizeiliche Sachbearbeiter  am Nachmittag des 18.12.2017  den Vormund des Beschuldigten beim Jugendamt Germersheim im Rahmen eines Telefonates erstmals über die gegen seinen Mandanten vorliegende Strafanzeige vom 15.12. und den dazu vorgetragenen ergänzenden Tatvorwürfen vom 17. und 18.12.2017  informiert. Dieses Telefonat ist als Maßnahme  im polizeilichen Vorgangsbearbeitungssystem dokumentiert. Der Sachbearbeiter hat dem Vormund mitgeteilt, dass der Beschuldigte ehrverletzende Bilder des Mädchens anderen öffentlich zugänglich machte, dem Mädchen drohte, sie am Bahnhof Kandel "abzupassen" und, dass sie in Zukunft "aufpassen" müsse. Darüber hinaus war der Beschuldigte am 27.11.2017 in eine körperliche Auseinandersetzung mit einem anderen Jugendlichen auf dem Schulgelände in Wörth verwickelt. Deswegen wurde er am gleichen Tage von dem Geschädigten angezeigt. Auch darüber hat der polizeiliche Sachbearbeiter den Vormund des Beschuldigten informiert.

Am 19.12.2017 folgte ein weiteres Telefongespräch zwischen dem Sachbearbeiter und dem Vormund beim Jugendamt. Auch dieses Telefonat ist als Maßnahme im Vorgangsbearbeitungssystem dokumentiert. Neben dem Hinweis auf die Sicherstellung des Handys hat der Sachbearbeiter die vom Beschuldigten begangenen Straftaten erneut detailliert dargestellt, insbesondere die vom Beschuldigten ausgesprochenen Drohungen bezüglich "abpassen" und "aufpassen" in der Zukunft.

Ebenfalls am 18.12.2017, gegen Mittag, suchte der polizeiliche Sachbearbeiter gemeinsam mit einem weiteren Polizeibeamten die IGS Kandel auf, nachdem er kurz vorher von der Schulleitung darüber informiert wurde, dass sich der Beschuldigte in der Schule befindet. Der Beschuldigte befand sich in Begleitung von zwei Betreuerinnen, die für ihn in der Wohngruppe in Neustadt zuständig sind. Im Beisein der Betreuerinnen wurde der Beschuldigte zunächst belehrt; danach fand eine Gefährderansprache statt. Ihm wurde dabei vorgehalten, dass er in sozialen Netzwerken Bilder der Geschädigten anderen zugänglich gemacht, sie beleidigt und ihr gedroht zu haben, sie "abzupassen".  Dem Beschuldigten wurde erläutert, dass er eine Vorladung zur Polizei erhalten werde und er sich zu den Vorwürfen äußern könne. Sein Handy wurde sichergestellt.

Polizeipräsidium Rheinpfalz

03.01.2018


Tod einer 15-jährigen in Kandel

Die Kreisverwaltung Germersheim ist tief betroffen über die Tat des 15-jährigen Jugendlichen und wird alles tun, um an der Aufarbeitung des traurigen Ereignisses mitzuwirken. Dass es zu einer solchen Tat kommt, war nicht absehbar. Der Familie und den Freunden der Jugendlichen sprechen wir unser Beileid und tiefes Mitgefühl aus.

Der Jugendliche wurde im Mai 2016 dem Landkreis Germersheim vom Landesjugendamt als sog. unbegleiteter minderjähriger Ausländer (umA) zugewiesen. Im Landkreis Germersheim wurden seit 2016 nach dem sog. Königsteiner Schlüssel insgesamt 100 unbegleitete Minderjährige aufgenommen. Alle umA werden in Jugendhilfemaßnahmen (JH) betreut. Für alle JH-Maßnahmen liegen Betriebserlaubnisse des Landesjugendamtes vor.

Die Altersfeststellung des 15-jährigen erfolgte im Rahmen der vorläufigen Inobhutnahme durch das Jugendamt Frankfurt am 2. Mai 2016. Sowohl die Inaugenscheinnahme als auch das ärztliche Erstscreening sind dokumentiert, wobei eine Varianz von +/- 1 Jahr möglich ist. Eine Volljährigkeit wird derzeit von allen Beteiligten ausgeschlossen.

Der 15-jährige umA war von Mai 2016 bis September 2017 in einer Erstaufnahme-Einrichtung untergebracht und besuchte die Schule in Kandel. In der Erstaufnahme-Einrichtung im Landkreis Germersheim wurden die Stärken und Ressourcen, aber auch die Entwicklungsbedarfe des umA in einem Zeitraum von Mai 2016 bis September 2017 ermittelt. Aufgrund der erreichten Selbstständigkeit (z.B. Selbstversorgung, Schulbesuch) wurde ein Wechsel in eine betreute Wohngemeinschaft angestrebt.
Der Minderjährige wechselte im September 2017 in eine Einrichtung nach § 34 SGB VIII zu einem freien Träger in eine betreute Jugend-Wohngruppe außerhalb des Landkreises Germersheim. Diese bietet einen wesentlich kleineren, altersgerechten Rahmen (nur 4 Plätze) mit einer hohen Betreuungsdichte und wurde im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte als mittelfristige adäquate Hilfeform als notwendig (aufgrund des Beziehungsangebots und des kleinen Settings) und geeignet (aufgrund der Trainingsmöglichkeiten zur Verselbständigung) eingerichtet.

In dieser WG leben 4 Jugendliche, die von 3 Bezugserziehern versorgt und pädagogisch betreut werden. Die umA werden dort zusätzlich zum Schulbesuch mit insgesamt 40 Wochenstunden im Direktkontakt betreut. Daneben gibt es eine 24 Stunden am Tag/ 7 Tage die Woche - Rufbereitschaft durch die Betreuer für die Jugendlichen. Es handelt sich um ein übliches Konzept für Jugendliche ab 15 Jahren. Die WG hat eine Betriebserlaubnis durch das Landesjugendamt.

Trotz Wegzug aus dem Kreis wurde der umA nach wie vor in fallführender Zuständigkeit des Jugendamtes des Landkreises Germersheim (sowohl Allgemeiner Sozialer Dienst als auch Vormundschaft) betreut. Der umA blieb auch nach dem Wechsel in die neue Einrichtung unauffällig.

Maßnahmen des Jugendamtes nach Information durch Polizei
Das Jugendamt hat am 18.12. von der Polizei erfahren, dass der Jugendliche in eine körperliche Auseinandersetzung in der Schule verwickelt war und er Bilder, die persönliche Rechte verletzen könnten, auf seinem Handy habe.
Bei diesem Telefonat erfolgte auch Information über die Erstattung von Strafanzeigen, nicht jedoch mit dem Inhalt der Bedrohung des Mädchens. Darüber, dass das Mädchen direkt bedroht wurde, war weder der Vormund noch die Fall führende Sachbearbeiterin informiert.
Nach unserer Information kam dann die Polizei am 18.12. unangekündigt an die Schule und verwarnte den umA deutlich. Über eine direkte Bedrohung des Mädchens wurde nicht informiert. Zugleich wäre das Handy des umA eingezogen worden.

Die Information der Polizei zu den beiden Anzeigen führte am 19.12.2017 jugendamtsintern zu einer Einschätzung der Lage zwischen Allgemeinem Sozialen Dienst (ASD) und Vormund, sowie telefonischer Einbindung der Einrichtung.
Ergebnis der Einschätzung war, dass ergänzend zu der polizeilichen Maßnahme noch vor den Weihnachtsfeiertagen ein Gespräch zur aktuellen Situation in der Einrichtung mit ASD, Einrichtung und umA stattfinden müsse. Dies wurde für den 21.12.2017 vereinbart und auch so durchgeführt.
Am 21.12. fand in der Jugendhilfeeinrichtung in Neustadt ein Gespräch der Betreuerinnen und der fallführenden Mitarbeiterin des Jugendamtes mit dem Jugendlichen statt.

Bei diesem Gespräch wurden insbesondere die dem Jugendamt bekannten Inhalte der Anzeigen sowie mögliche Konsequenzen bei Nichteinhaltung besprochen.

Zur Überprüfung der im Gespräch vom 21.12.2017 getroffenen Vereinbarungen wurde ein weiteres Gespräch am 28.12.2017 festgelegt.

Auf der Grundlage der Erfahrungen, die mit dem umA seit der Betreuung durch das Jugendamt gemacht wurden, war zu diesem Zeitpunkt die polizeiliche Maßnahme, ergänzt durch das Gespräch mit den getroffenen Vereinbarungen mit dem Jugendamt aus fachlicher Sicht die geeignete Maßnahme, um auf die Situation angemessen zu reagieren. Das Ergebnis sollte eine Woche später überprüft werden.

Zu keiner Zeit gab es für die Mitarbeiter des Jugendamtes oder für die Mitarbeiter der Einrichtung Indizien, die dafür sprachen, dass man um Leib oder Leben des Mädchens fürchten müsse.

Die strafrechtlichen Ermittlungen sind Aufgabe der Staatsanwaltschaft, auf deren Arbeit wir vertrauen. Bei der Weitergabe von Informationen haben wir den Sozialdatenschutz zu beachten.

Kreisverwaltung Germersheim vom 02.01.2018

08.01.2018


Gemeinsame Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Landau und des Polizeipräsidiums Rheinpfalz:

(Kandel) - Tötungsdelikt in Kandel

Folgemitteilung zu den gemeinsamen Pressemitteilungen der Staatsanwaltschaft Landau und des Polizeipräsidiums Landau vom 27.12. und 28.12.2017 sowie der Pressekonferenz vom 28.12.2017

Die Staatsanwaltschaft Landau und das Polizeipräsidium Rheinpfalz haben gestern im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz sowie einer anschließend veröffentlichten gemeinsamen Pressemitteilung die Medien über den aktuellen Ermittlungsstand unterrichtet. Im Hinblick auf die Vielzahl sowie die teilweise sehr detaillierten Anfragen und das breite Interesse der Medien an dem Verfahren bitten Staatsanwaltschaft und Polizei um Verständnis, dass aus Gründen der Gleichbehandlung die Medien auch weiterhin einheitlich informiert werden. Derzeit laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Wir werden die Medien - voraussichtlich nächste Woche - über den Fortgang der Ermittlungen über das Presseportal des Polizeipräsidiums Rheinpfalz sowie den Newsmailer und die Homepage der Staatsanwaltschaft Landau unterrichten.

Polizeipräsidium Rheinpfalz

29.12.2017


Nach Messerangriff in Kandel: Mädchen beendete Beziehung / Eltern stellten Strafanzeige bei der Polizei / Beschuldigter bereits aufgefallen

Kandel – Es ist eine Tat, die einfach nur unfassbar ist und die Menschen wütend macht. Ein 15-jähriges Mädchen hatte fast ihr ganzes Leben noch vor sich und musste auf unvorstellbare Weise sterben. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft nun bekanntgaben, handelt es sich bei dem mutmaßlichen Täter um den früheren Freund der Jugendlichen. Dieser hatte sie am Mittwochnachmittag in einem dm-Markt in Kandel mit einem Küchenmesser so schwer verletzt, dass sie kurz nach ihrer Einlieferung in einem Krankenhaus starb. Der 15 Jahre alte Beschuldigte kam im Frühjahr 2016 als unbegleiteter minderjähriger Jugendlicher nach Deutschland. Bereits im vergangenen September fiel er wegen einer Körperverletzung auf.

Momentan sieht es danach aus, dass der Tatverdächtige, gegen den die Behörden Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts des Totschlags erließen, zufällig auf das Opfer in dem dm-Markt traf. Nach einem Streit stach er unvermittelt mit einem Küchenmesser, welches eine Klingenlänge von 20 cm besaß, auf das Mädchen ein. „Trotz sofortiger Reanimation und weiteren Erste Hilfe-Maßnahmen kam für die 15-Jährige aus dem Bereich Kandel jede Hilfe zu spät“, erklärte Angelika Möhlig. Die Leitende Oberstaatsanwältin sagte, dass Angestellte und Kunden den Mann bis zum Eintreffen der Polizei festhielten. Um 15.22 Uhr ging der Notruf bei der Leitstelle ein. Sehr schnell waren die verständigten Streifenwagen sowie die Kräfte des Rettungsdienstes an der Örtlichkeit. Zum Zeitpunkt des Geschehnisses befanden sich zwischen 15 und 20 Personen in dem Geschäft.

Wohnhaft in Wohngruppe in Neustadt

„Bis zum Abend liefen vor Ort die Ermittlungsarbeiten. Auch Zeugen wurden vernommen“, sagte der Leiter der Ermittlungsgruppe, Dieter Lippold. Weitere Erkenntnisse konnten bislang noch nicht gemacht werden. Im Frühjahr 2016 kam der junge Afghane nach Deutschland und wurde zunächst in einer Einrichtung in Hessen untergebracht, bevor er dann im Mai in einer Jugendhilfeeinrichtung im Landkreis Germersheim lebte. „Im September wurde er dann in eine Wohngruppe nach Neustadt verlegt. Hier lebt er mit mehreren Heranwachsenden“, teilte Eberhard Weber mit. Der Polizeivizepräsident ergänzte, dass der Jugendliche im vergangenen Monat aufgrund einer körperlichen Auseinandersetzung, im Anschluss an eine Beleidigung, auf einem Schulhof in Wörth polizeilich in Erscheinung trat. Ein weiteres Vergehen stellte die illegale Einreise zu Beginn dar.

Vorladung nicht gefolgt

Am 15. Dezember erstatteten die Eltern des Opfers Strafanzeige wegen Verletzungen persönlicher Rechte, Nötigung und Bedrohung bei der Polizei. „Wir wissen bisher, dass die beiden eine mehrmonatige Beziehung hatten. Diese wurde seitens des Mädchen Anfang Dezember beendet, sodass es zu den genannten Delikten kam“, sagte Weber. Nur zwei Tage später erfolgte eine sogenannte fernmündliche Gefährderansprache des Tatverdächtigen und am Tag darauf eine persönliche in der Schule. Der dann verordneten Vorladung folgte der 15-Jährige, der einen Status als Asylbewerber hat, allerdings nicht. „Das führte dazu, dass er am 27. Dezember, am Tattag, in den Vormittagsstunden von den Kollegen aufgesucht wurde und ein weiteres Gespräch stattgefunden hatte“, hieß es weiter. Am Nachmittag ereignete sich die Tat in dem Drogeriemarkt.

Nach der Trennung schien sich der Heranwachsende nicht mit der Situation abgefunden zu haben und bedrohte das Mädchen unter anderem mit den Worten, dass er „sie abpassen würde“. Die Kontaktaufnahme in den letzten Tagen mit dem Opfer geschah zum einen über soziale Netzwerke, aber auch über das Telefon. Derzeit dauern die Ermittlungen der Kriminaldirektion Ludwigshafen an.

Daniel Klier, FW MRN

28.12.2017


Gemeinsame Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Landau und des Polizeipräsidiums Rheinpfalz Tötungsdelikt zum Nachteil einer 15-Jährigen:

(Kandel) - 15 jährige tödlich durch Messerstiche verletzt

Am Mittwochnachmittag, gegen 15.20 Uhr, kam es in einem Drogeriemarkt in Kandel zu einem Streit zwischen einem 15-jährigen Afghanen und einer 15-jährigen Deutschen. Im weiteren Verlauf zog der 15-Jährige ein Messer und stach auf diese ein, welche im Krankenhaus ihren Verletzungen erlag. Der Täter konnte durch Passanten überwältigt und durch die Polizei festgenommen werden.

Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

(Kandel) - 15-Jähriger kommt in Untersuchungshaft

Der 15-jährige Beschuldigte, der am gestrigen Mittag auf ein 15-jähriges Mädchen mit einem Messer eingestochen und es dabei tödlich verletzt hatte, wurde am heutigen Morgen auf Antrag der Staatsanwaltschaft dem Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Landau vorgeführt. Gegen ihn wurde Untersuchungshaftbefehl wegen Totschlags erlassen. Er kam in eine Jugendstrafanstalt.

Zusätzliche Informationen zum Tatverdächtigen: Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich nach derzeitigen Erkenntnissen um einen 15-jährigen ledigen afghanischen Asylsuchenden. Er reiste im April 2016 in die Bundesrepublik Deutschland ein und war zuletzt in Neustadt/Weinstraße in einer betreuten Wohngruppe wohnhaft. Wegen einer Körperverletzung, wohl aufgrund einer vorausgegangenen Beleidigung sowie wegen einer Anzeige, die das 15-jährige Mädchen wegen Nötigung, Bedrohung und Beleidigung erstattet hatte, war er bereits auffällig gewesen.

Die Kriminalpolizei sucht Zeugen, die im Vorfeld des Geschehens - insbesondere im Bereich des Kandeler Bahnhofs und der Lauterburger Straße - Beobachtungen gemacht haben, die mit der Tat in Zusammenhang stehen könnten.

Sachdienliche Hinweise nimmt die Kriminalpolizei unter der Telefonnummer 0621/963-2773 entgegen.

Über den Fortgang der Ermittlungen werden wir informieren.

Polizeipräsidium Rheinpfalz

27.12.2017